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a_herzog

Elementare Raumgestaltung! Eine Phase oder ein neuer Stil? Teil 1

MenschPlusRaum
vor 4 Jahren
zuletzt bearbeitet:vor 4 Jahren



Elementare Raumgestaltung

Die Rückkehr des Wesentlichen

Teil 1

Ein Modell, eine Phase oder ein neuer Stil?

Elementare Raumgestaltung ist eine Form der Gestaltung, die sich aus der Gewichtung auf eine bestimmte Phase des Raumeinrichtens herausbildet. Sie ist an sich nicht neue, bildet aber die Grundlage der meisten Einrichtungsstile. Sie ist insofern bedeutsam, als dass sie für jede Art der Raumgestaltung ein wesentliches Element darstellt. Mit meinen Darlegungen zu diesem Thema möchte ich nicht etwa einen neuen Einrichtungsstil etablieren, sondern lediglich einen Aspekt der Raumgestaltung besonders hervorheben und andere Gestalter, Einrichter oder Laien dazu animieren mehr über dieses wesentliche Element nachzudenken. Die genauere Fokussierung auf diesem meiner Meinung nach zentralem Aspekt gestalterischer Praxis kann als ein wichtiger Beitrag für eine sinnstiftende, nachhaltige und ökologisch verträgliche Raumgestaltung verstanden werden.

Aktualität:

Was ein Mensch zum guten Leben braucht oder nicht, ist eine Frage, die unsere westliche Gesellschaft auf eine geschickte Weise gelöst zu haben scheint. Wir beantworten diese Frage mit: Jeder nimmt sich ohne Rücksicht vom Kuchen so viel er will. Da wir aber nicht die gleichen Fähigkeiten und das gleiche Potenzial, jedoch die gleichen Rechte und Pflichten haben, entsteht durch diese Umgangsform ein Ungleichgewicht im sozialen Umfeld wie in der Umwelt. Ich will hiermit nicht auf die soziale Ungerechtigkeit in unserer Gesellschaft eingehen, dafür gibt es bereits genügend zu lesen, sondern auf die Verschwendung von Ressourcen während der Raumgestaltung. Mir geht es um die Masse von Einrichtungsgegenständen mit relativ kurzer Lebensdauer von wenigen Jahren, die mit enormen Energieaufwand entwickelt, hergestellt, über weite Strecken transportiert, um am Ende einfach verbrannt zu werden.

Der CO2 Countdown zählt unablässig die Zeit des Unumkehrbaren herunter. Stabilere Designer-Möbel, innovative und sparsame Techniken, sogenannte ökologische Neubauten können trotz ihrer vorzüglichen Herstellungsverfahren nicht völlig klimaneutral entstehen. Klimaneutral bedeutet nämlich heute Klimaengagement, Wiederverwertung, Verzicht auf Neues und Selbstwirksamkeit. Das bedeutet, dass alles was wir nicht mit der eigenen Hand herstellen unseren ökologischen Fußabdruck eher vergrößert. Diesen Fluch der sogenannten Wohlstands- und Dienstleistungsgesellschaft gilt es aktuell zu brechen.

Elementare Raumgestaltung bietet eine ökologische und zeitgemäße Organisationsform des Raums. Es ist ein Gestaltungsprozess, wo Räume, Möbel, Objekte und Accessoires nicht mehr das beliebige, inflationäre Kolorit oder besser eine Kompensation unerfüllter Grundbedürfnisse darstellen. Räume, Möbel, Objekte und Accessoires werden hier doppelt auf Ihre Funktion hinterfragt. Elementare Raumgestaltung ist auch deshalb aktuell, weil sie vor allem die bedarfsorientierte Organisation der Grundbedürfnisse abbildet, und einen einfachen Weg, in dem Verbrauch und Konsum reduziert werden können, bietet. Bevor wir also an neue Technologien zum Schutze der Umwelt denken, sollten wir wieder Verzicht, DIY und Diskurs über die sinnvolle Nutzung des Raums üben. Das kann, vorausgesetzt Gestalter und Nutznießer werden sich über Vorteile dieser allen Gestaltungsstilen zu Grunde liegenden Phase des Einrichtens bewusst einen annehmbaren Weg aus dem irrationalen Konsum bedeuten.

Ein wichtiges Instrument oder Hilfe, um heute diesen Weg zu beschreiten ist die Selbstwirksamkeit. Die Selbstwirksamkeit ist ein weitergefasster DIY-Prinzip. Wenn DIY sich im Allgemeinen mit konstruktiven Herausforderungen der physischen Realität auseinandersetzt, beschäftigt sich die Selbstwirksamkeit mit internalisierten Verhaltensmustern. Sie wird in der Psychologie als Überzeugung einer Person, auch schwierige Situationen und Herausforderungen aus eigener Kraft erfolgreich bewältigen zu können beschrieben. Dadurch also, dass die Selbstwirksamkeit in Verbindung mit DIY-Prinzip einen Teil des menschlichen Potenzials im Raum und Zeit bindet verhindert Sie den irrationalen Konsum. Sie ist somit die Schlüsseleigenschaft des Menschen, die den ökologischen Fußabdruck auch in unserer Branche reduziert. Das vielzitierte Argument, dass ein Lehrer keine Stühle reparieren, ein Anwalt kein Bett bauen, ein Bankangestellter keine Küche montieren und anlag dazu in Handwerksberufen die Leistung der Geisteswissenschaften nicht erbracht werden kann, weil der betreffende Mensch dafür nicht spezialisiert genug ist, führt für mich deshalb einmal mehr den Beweis für fehlende Selbstwirksamkeit vor.

Ein Integraler Bestandteil der Gestaltung

Grundlegend nachhaltiges und wesentlich Einrichten ist eine Lebenseinstellung. Ästhetisch, funktional, formal und inhaltlich sparsames Einrichten kann entweder aus der Not heraus entstehen oder zu einer Tugend werden. Wenn wir sparsam einrichten, so betrachten wir den Bestand, alles was den Raum in der Vergangenheit definiert hat, nicht als etwas Altes und Überholtes sondern als ein gewachsenes Ganzes. Je nachdem welche Funktion der Raum oder die Räume haben wird nur das Wesentliche wiederverwendet, die Dinge, die den Charakter weiterhin tragen können und jenes entfernt, was der Entwicklung des Raums im Wege steht. Wir reflektieren im Rahmen der Vorbereitung auf das Einrichten vergangene Funktion und Sinn der Gegenstände sowie das Verhalten der Nutzer und erschließen damit eine durch den Raum hindurch neue Perspektive zu neuerer, aktuellerer Nutzungsform. In dieser Phase des Projekts sind, nüchtern betrachtet, die rein gestalterischen Überlegungen wie Farbe, Form und Qualität für die Sinnhaftigkeit eines Raums irrelevant. Wenn man danach auf Minimalismus zurückgreifen möchte, werden alle Fragen in Bezug auf Ästhetik mit der notwendigen Materialität, Form und Farbbeschaffenheit der Gegenstände selbst beantwortet. Sparsames oder elementares Einrichten bedeutet also nicht billig oder günstig Einrichten, sondern reflektiert. Bewusst oder unbewusst steht diese Phase des Einrichtens- die Bedarfsermittlung, in jedem gestalterischen Vorhaben ganz am Anfang und wird begleitet von solchen integralen Bestandteilen wie: Bestandsanalyse, Funktionsbestimmung, Formgebung, Raum- Zeit Analogie und künstlerischer Ausdruck. Wenn ich also im Zusammenhang mit elementarer Raumgestaltung von integralen Bestandteilen spreche, geht es mir nicht um die richtige Reihenfolge, die Technik, sondern um die richtige Gewichtung der einzelnen Phasen. Das ist insoweit entscheidend, da wir nur durch die richtige Gewichtung auf das Wesentliche und Elementare einen sinnvollen und zeitgemäßen Rahmen für die Raumgestaltung schaffen, in dem wir eine nachhaltige, gute und umweltschonende Lebensatmosphäre gestalten und erhalten können, ohne auf das Lebensnotwendige verzichten zu müssen. Der Wille für dieses Umdenken sollte keine Gewissensfrage, sondern eine rationale, bewusste und vorausschauende Entscheidung sein.

Das ästhetische Konzept der zeitgemäßen Gewichtung auf das Wesentliche und Elementare ist im Grunde die Reduktion auf die Funktion, Material und Form.

Vorteile der elementaren Raumgestaltung

Die bewusst elementar gestalteten Räume bieten Vorteile:

Das Wesentliche

Der Fokus auf das Wesentliche im Raum erzeugt dauerhaft Zufriedenheit. Wir schaffen, in dem wir uns auf das Elementare konzentrieren, eine optimale Umgebung zur Förderung und Entwicklung des hochindividuellen Potenzials des Menschen im Raum. Das hochindividuelle Potenzial im Sinne von Menschsein ist die Summe von Handlungsspielräumen, über die der Mensch im Hier und Jetzt verfügt. Der fortwährende, aktive Prozess des Zusammenspiels intrapsychischer Reifungsvorgänge und äußerer sozialer Anforderungen ermöglicht die Gestaltungsmöglichkeiten der eigenen Entwicklungsbedingungen und erschließt im besten Fall dadurch neue Spielfelder. Das Potenzial der Möglichkeiten ist dabei mehr als die Summe seiner Teile wie mentale bzw. rationale Intelligenz, emotionale Intelligenz und spirituelle Intelligenz. Dieses Potenzial könne auch als flexible Quadratur des Raums für die lebenslange Entwicklung des Individuums bezeichnet werden. Das erreichen wir auch in dem wir die Organisation des Raums vereinfachen. Wir erweitern außerdem den Raum durch eine sinnvolle Optimierung der Objekte in ihrer Form und Lage.

Klarheit

Klarheit entsteht, wenn das Überflüssige aus dem Raum verschwindet. Sie verbirgt sich im Nebel der Dinge, an denen wir hängen und die wir nicht loslassen können. Wenn wir elementar einrichten bedeutet dies, dass wir fortwährend das Hier und Jetzt reflektieren und uns in diesem Sinne umgehend von Allem trennen, was im Hier und Jetzt keinen richtigen Platz mehr hat. Klarheit im Raum ist außerdem als eine wichtige Bedingung für konstante und positive Weiterentwicklung des Menschen essenziell. In einem klar strukturierten Raum gibt es keine Ablenkung, keine Desorganisation und Intransparenz. Somit sehen wir die Horizonte, den Fokus unserer Entwicklung besser und deutlicher.

Zweckmäßigkeit

Zweckmäßigkeit, statt irrationaler Konsum spiegelt Achtsamkeit, intellektuelle Reife, und nachhaltiges Bewusstsein des Bewohners wider. Die durch elementare Raumgestaltung mögliche, zweckgebundene Einrichtung, eröffnet einen Freiraum, in dem mehr Platz für zwischenmenschliche Interaktion entstehen kann. Erst hier, in einem Raum des offenen Horizonts, ohne überflüssige Dinge, wird es dem Menschen möglich sein sich als Teil einer Ganzheit zu begreifen, um auf diese Weise die Tragik des Getrenntseins leichter ertragen zu können. Diesem fundamentalen, unüberwindlichen, menschlichen Wesensmerkmal kann nicht durch Objektbindung, sondern nur durch Versuch einer Subjekttranszendenz entsprochen werden. Hier ist deshalb ein besonders sensibler Umgang mit Objekten, Farben und Formen sowie eine gründliche Reflexion der Bedürfnisse und des menschlichen Verhaltens von entscheidender Bedeutung. Die gründliche Reflexion ist deshalb wichtig, weil Objekte wichtige Sinnesreize bieten und einen Großteil der Erfahrungswelt darstellen.

Sinnlichkeit.

Ich spreche dabei von der Sinnlichkeit, in der der Raum zum integralen Bestandteil der menschlichen Existenz wird. Es bedeutet, dass wir den Raum nicht mehr nur als etwas physisch Erlebbares, außerhalb unseres Gefühlslebens Liegendes begreifen, sondern ihn um weitere räumliche Aspekte erweitern, emotional beladen und damit zu einem wertvollen Bezugsort machen. Elementare Raumgestaltung ist für den Menschen eine Chance, ein reines Milieu und eine geordnete Basis, um sich frei und sinnvoll entfalten zu können. Sinnlichkeit kann sich von dem, was wir als Kohärenz der Objekte, Formen, Farben und Bewohner begreifen bis hin zu der metaphysischen Ebene der Vorstellung und Inspiration erstrecken.

Leerer Raum

Nichts ist unbefriedigender als ein voller Raum. In diesem kann sich nichts mehr entwickeln. Ein voller Raum ist ein Raum, in dem die Vorstellung fehlt. Ein kleiner Raum wird groß, wenn ihn ein kreativer und lebendiger Mensch betritt. Dieser Mensch bringt seine Ideen, Vorstellungen und das noch nicht entfaltete Potenzial seiner Lebensspanne hinein.

Farben und Formen sollen anregen. Das ist eine unumstößliche Formel, wenn man Räume gestaltet. Doch die Suche danach, was genau uns anregt, was uns schmeckt und uns tatsächlich satt macht, ist ein gordischer Knoten, den man nicht wie Alexander der Große mit einen einzigen Schwerthieb lösen kann. Solche Lösungsversuche sind, so paradox es klingen mag, in vielen Fällen brachiale Wiederholungen, ein Reset von altbewehrten Designs. Alexander hatte ein Ziel, wir hingegen brauchen einen Weg. Deshalb müssen wir den Knoten eines lebenswerten, guten Raums auf herkömmliche, schwierigere Weise lösen. Als Interior- und Möbeldesigner sehe ich meine Aufgabe deswegen zuerst darin das individuelle Potenzial des Menschen zu erschließen, um danach mögliche Bezugspunkte des Individuums im Raum adäquat begründen zu können. Bei allem Relativismus und vielfältigen Lebensentwürfen der heutigen Zeit dürfen wir das verbindende und einigende Wesen der Wahrheit nicht vergessen: wahr oder unwahr, ja oder nein, gut oder schlecht. Wir sollten über den Raum diskutieren und streiten, um ihn nachhaltig und sinnstiftend vom Überflüssigen, Plakativen und Oberflächlichen zu befreien. Erst durch eine Diskussion über den Raum, in der wir uns auf bestimmte Wahrheiten einigen, können wir uns ein gemeinsames Zuhause schaffen. Dieses gemeinsame Zuhause ist das übergeordnete Ziel der elementaren Raumgestaltung.

Kreativität

Es ist schwierig dem Kunden den Wert einer kreativen Leistung im Rahmen eines immer härter werdenden Wettbewerbs zu vermitteln. Kreativität ist jedoch ein entscheidender Faktor für eine gelungene Raumgestaltung. Kreativität bedeutet in unserem Me­ti­er vor allem die Fähigkeit zum Perspektivwechsel. Kreativität braucht Zeit und Raum. Wie viele Stunden, wenn nicht Tage oder Wochen verbringt ein Designer im Geiste bei der Lösung eines formalen Problems? Wie viel Zeit braucht es die Ansprüche und den Bedarf des Klienten kunstvoll in der Vorstellung so vorzubereiten, dass sie vermittelt werden können? Wie viele Alternativen und Lösungen werden aufgegriffen und wieder verworfen, bis der richtige Entwurf präsentiert werden kann? Diese kreative Arbeit nimmt das ganze Wesen eines kreativen Geistes in Anspruch und geht selbst im nächtlichen Traum weiter. Eine gute Idee, die so manch einem Laien so klar, offensichtlich und genial erscheint, ist im Verborgenen ein langer und schwieriger Prozess, gezeichnet von Begeisterung, Kritik, Ernüchterung und Enttäuschung.

Die richtige Perspektive

Bei einer elementaren Einrichtung vollziehen wir also einen Perspektivwechsel. Wir betrachten den leeren Raum im Hinblick auf sein Potenzial. Es ist nicht die bloße physikalische Größe, Ausdehnung und Anzahl der Gegenstände, die uns beschäftigen. Wir verzichten am Anfang auf solche organisatorischen Fragen und beschäftigen uns mit dem, wie der Raum aus der explorativen, sozialen und emotionalen Perspektive des Bewohners erschlossen werden soll. Ich meine die Art Verzicht und die Form der Erschließung, in denen das Objekthafte in das Mentale umgewandelt und damit aufgewertet wird.

Es ist ein Wechsel von einer gegenständlichen, Affekt behafteten Organisation des Lebensraums zu einem Prozess des mentalisierten Explorierens nicht nur der physischen Substanz, sondern auch der sozialen Dimensionen des Raums. Wir verlassen hiermit die Perspektive, in der Objekte, Formen und Farben stil- und formgemäß im Vordergrund stehen und zeichnen ein neues Bild, eine Symphonie des sphärischen, guten Lebens, in dem nicht mehr das Objekt, sondern die Interaktion des Menschen mit Menschen und Objekten: seine Neigungen, Bedürfnisse und Potenzial im Vordergrund stellen. Das bedeutet ferner, dass wir sowohl das was im Raum bereits vorhanden ist, die Bedürfnisse als auch die Ziele der Neugestaltung aus dieser neuen Perspektive hinterfragen und prüfen.

Lassen Sie mich den Unterschied der zwei Ansichten an zwei Beispielen verdeutlichen:

Aufgabe: Eine dunkle Ecke soll gestaltet werden!

Objekthafte, affektierte Organisation:

Problem: Die Ecke wirkt dunkel und deprimierend. Ungenutzter Raum. Der gesamte Raum verliert an Aussagekraft. Die Ecke wirft Fragen auf.

Fragen: Warum ist die Ecke dunkel? Welche Farben würden die Ecke heller machen? Welche Gegenstände und Materialien passen zu sonstigem Mobiliar? Welche Alternativen bieten Internet, Magazine und Freunde?

Ziel: Die Ecke soll in den Raumkontext integriert werden. Die Ecke soll mehr Licht bekommen. Sinnvolle Raumnutzung soll hergestellt werden.

Mögliche Lösung im Hinblick der Aufhellung der Ecke : Weiße Wandfarbe, indirektes starkes Licht, weißer Schrank oder Skulptur, TV-Anlage.

Das mentalisierte Explorieren:

Problem: Die Ecke wirkt leer und deprimierend. Die dunkle Ecke verhindert eine durchgehende Harmonisierung des Lebensraums. Die Ecke manifestiert eine subtile Angstempfindung.

Fragen: Welche Funktion hat der angrenzende Raum? Wie viele Menschen nutzen den Raum. Wer hat die Verfügungsgewalt über die dunkle Ecke? Welche Vorstellungen und Gefühle führen zu der Problemstellung? Existieren Erfahrungen zum vorliegenden Problem aus der Lebensgeschichte der Nutzer? Welche Nutzung außer der rein Dekorativen sind vom Nutzer/n vorstellbar? Welche Lösungen sind negativ, positiv oder neutral zu bewerten?

Ziel: Die Ecke soll den Wirkungskreis des Nutzers erweitern und den Lebensraum verbessern, damit der Nutzer sein Potenzial optimal ausschöpfen kann.

Mögliche Lösung im Hinblick auf Erweiterung des Raums: Sessel, Fußstütze, Tischchen, Leselampe, Vorhänge.

Nachhaltigkeit

Ich treffe oft Kunden, die sich eine bestimmte Form, die Sie irgendwo gesehen haben, wünschen. Oder Kunden, die ein bestimmtes Setting, das sie im Internet oder Magazin gesehen haben, bei sich installieren möchten. Es beginnt immer wieder dasselbe Spiel und dieselbe Überzeugungsarbeit hin zu mehr Individualität. Die Lichtverhältnisse sind anders als im Magazin, der Raum ist kleiner oder größer, das Budget ist unklar, die Sichtachsen sind nicht gegeben, die Funktionen entsprechen nicht dem Bedarf und so weiter.

Unbewusst arbeiten wir Raumgestalter und unsere Klienten oft mit Stereotypen. Wir greifen sie auf, verändern sie geringfügig und passen sie den Gegebenheiten an. Stereotype Gestaltung ist im Grunde eine Wiederholung und Interpretation bereits bestehender Lösungsansätze. Wenn ich mir die Settings ansehe und diese genauer betrachte, so fällt mir doch irgendwann auf, dass viele wesentliche Funktionen nacherzählt werden.

Die stereotype Gestaltung kann nachhaltig, wirtschaftlich und lohnend sein, da wir hier mit drei oder vier Formsprachen arbeiten und diese dementsprechend günstig umsetzen können. Letztlich geht sie mir aber nicht weit und konsequent genug und ist daher unbefriedigend. Wir produzieren zu viele schlechte Variationen des Gleichen, ohne die tatsächlichen, essenziellen Bedürfnisse der Menschen zu befriedigen. Es ist so, als würde man immer die Gleiche dünne Suppe serviert bekommen, von der man nie wirklich satt wird. Praktisch führt diese Hommage langfristig und zwangsweise zu der Form von Unzufriedenheit, die nach einer weiteren im Grunde phantasielosen Wiederholung verlangt.

Die gleichen Fehler zu machen ist nicht nachhaltig, weder für den Menschen noch für die Natur. Ein Mensch erhält seine Einmaligkeit nicht aufgrund der ihn umgebenden kunstvollen Dinge, sondern aufgrund seines Handelns. Wir können aus der Flexibilität der modernen Lebensweise nicht für die Zukunft, sondern nur im Hier und Jetzt sparsam einrichten. Dieses Handeln benötigt Raum und Leere. Nachhaltig einrichten bedeutet im Hier und Jetzt den Bestand auf das Elementare reduzieren.

Teil 1

Andreij Herzog

Kommentar

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