Architektur
Das Einmaleins der Dachdeckung, Teil 2: Metall, Reet & Begrünung
Gefalztes Blech, Schilfrohr oder lebendige Pflanzen? Sie alle sind schöne Alternativen zum herkömmlichen Ziegeldach
Architekten bezeichnen das Dach gern als fünfte Fassade, da es das Erscheinungsbild des Hauses so stark prägt. Im zweiten Teil unserer Serie zu Dachdeckungsarten stellen wir Metalldächer, Reetdächer und Dachbegrünungen vor, klären über ihre Vor- und Nachteile auf und informieren Sie über Aufwand und Kosten.
Metalldächer liegen in der Regel auf einer Unterkonstruktion aus Holz auf, bei der es sich um einen zweischaligen, durchlüfteten Aufbau handeln sollte, da Metall absolut dampf- und wasserdicht ist und Feuchtigkeit – beispielsweise Tauwasser – nicht aus dem Inneren entweichen lässt. Die zweischalige Konstruktion ist also entscheidend für eine optimale Belüftung und verhindert, dass das Metall rückseitig korrodiert. Die Holzschalung deckt man mit besandeten Bitumenbahnen ab, um den direkten Kontakt zwischen Holz, Holzschutzmittel und Metall zu vermeiden. Jedoch sind bituminöse Baustoffe auch dafür verantwortlich, dass Metalldächer nicht unbegrenzt halten, da sich durch UV-Strahlen und Feuchtigkeit Säuren bilden können, die Aluminium, Blei, Kupfer, Stahl und Zink angreifen.
Mit der Zeit entwickeln alle Metalldächer eine Patina, die das Aussehen des Daches und somit des gesamten Objekts verändert. Um Korrosion und Rost zu vermeiden, sollten Sie stets Dachdecker und Experten für Bedachungen mit der Ausführung beauftragen. Zwar gibt es Maßnahmen wie Spritzüberzüge, Rostanstriche und Schutzbeschichtungen, die Schäden vorbeugen und die Haltbarkeit erhöhen, allerdings muss die Materialauswahl bis zum letzten Nagel auf das ausgewählte Metall abgestimmt sein, damit die Abdichtung auch lange hält.
Neben ihrem geringen Gewicht bieten Metalldächer weitere Vorteile: Sie sind besonders dicht, wartungsarm und feuerfest. Auch Schnee rutscht leicht an ihnen ab und belastet die Dachkonstruktionen im Winter nicht übermäßig. Jedoch kann sich Metall im Sommer stark erhitzen und dehnt sich dann entsprechend aus. Außerdem ist es nicht das günstigste Material für die Dachhaut: Sie können mit Kosten von bis zu 100 Euro pro Quadratmeter rechnen. Die Preise variieren je nach Metall und Bahnform (beziehungsweise Ziegelart).
Reetdach
Reet ist in unseren Breitengraden eine der ältesten Dachdeckungsarten überhaupt und prägt bis heute als weiche Dachdeckung das architektonische Bild entlang der Nord- und Ostseeküste. Das Reetdach besteht aus getrocknetem Schilfrohr, das am Rande von Gewässern und in sumpfigen Gebieten wächst. Um eine lange Lebensdauer zu gewährleisten, muss Regenwasser daran gut ablaufen können, weshalb die Dachneigung mindestens 45 Grad betragen sollte.
Reet ist in unseren Breitengraden eine der ältesten Dachdeckungsarten überhaupt und prägt bis heute als weiche Dachdeckung das architektonische Bild entlang der Nord- und Ostseeküste. Das Reetdach besteht aus getrocknetem Schilfrohr, das am Rande von Gewässern und in sumpfigen Gebieten wächst. Um eine lange Lebensdauer zu gewährleisten, muss Regenwasser daran gut ablaufen können, weshalb die Dachneigung mindestens 45 Grad betragen sollte.
Man unterscheidet drei Deckarten (genäht, gebunden und geschraubt), die von Laien allerdings kaum auseinanderzuhalten sind. Wichtiger ist für Hauseigentümer die Frage, wie lange ein Reetdach hält.
Der Standort, die Dachneigung und die Belüftung des Daches beeinflussen die Haltbarkeit eines Reetdaches. Hält die Dachdeckung in sonnenreichen Regionen mit einem steilen und gut durchlüfteten Dach häufig mehr als 60 Jahre, kann ihre Lebensdauer bei falscher und zu flacher Deckung auf weniger als 20 Jahre sinken. Deshalb sollte immer ein Fachmann für Reetbedachungen die Eindeckung übernehmen, wie es bei diesem Reetdachtrio in Born auf dem Darß geschah. Die Innung der Reetdachdecker hat verbindliche Qualitätsmaßstäbe entwickelt, auf die sich Bauherren im Zweifelsfall berufen können.
Nicht nur das charakteristische Aussehen des Reetdaches überzeugt, wie bei diesem Kapitänshaus an der Ostsee; der Baustoff ist zudem sehr leicht, genauso dicht und windschützend wie andere Deckungsarten und besitzt gute Wärmedämmeigenschaften. Doch ein Reetdach kann schneller in Brand geraten, weshalb es sich nicht für Bebauungen auf engstem Raum eignet und in den Bauordnungen Mindestabstände zu angrenzenden Grundstücken festgesetzt sind.
Der Bedarf an Schilfrohr ist in Deutschland größer als die nachwachsende Menge, weshalb es zunehmend aus Rumänien, Polen, Ungarn, der Türkei und Asien importiert wird. Stammt es aus Ländern mit kontinentalem Klima, gilt es als besonders hart und widerstandsfähig.
Reetdachkonstruktionen sind aufgrund des hohen Arbeits- und Zeitaufwands heute etwas für Liebhaber und Traditionsbewusste. Mit Kosten von bis zu 100 Euro pro Quadratmeter müssen Sie rechnen.
Reetdachkonstruktionen sind aufgrund des hohen Arbeits- und Zeitaufwands heute etwas für Liebhaber und Traditionsbewusste. Mit Kosten von bis zu 100 Euro pro Quadratmeter müssen Sie rechnen.
Begrünte Dächer
Bei dieser harten Bedachung übernehmen die Pflanzen den Temperaturausgleich und die Schalldämmung des Daches. Sie eignet sich für alle möglichen Dachformen und Dachneigungen bis zu 45 Grad. Jedoch ist die Begrünung eines flachen Daches wesentlich einfacher – bei einer Neigung ab acht Grad sind spezielle Dränelemente erforderlich. Ab 20 Grad müssen Schubschwellen und ab etwa 25 Grad Rasterelemente als stabilisierende Sicherheitsmaßnahme eingesetzt werden, damit die Vegetationsschicht nicht abrutscht.
Bei dieser harten Bedachung übernehmen die Pflanzen den Temperaturausgleich und die Schalldämmung des Daches. Sie eignet sich für alle möglichen Dachformen und Dachneigungen bis zu 45 Grad. Jedoch ist die Begrünung eines flachen Daches wesentlich einfacher – bei einer Neigung ab acht Grad sind spezielle Dränelemente erforderlich. Ab 20 Grad müssen Schubschwellen und ab etwa 25 Grad Rasterelemente als stabilisierende Sicherheitsmaßnahme eingesetzt werden, damit die Vegetationsschicht nicht abrutscht.
Eine Intensivbegrünung macht das Dach als begehbaren Garten nutzbar. Hier pflanzt man in der Regel Gräser, Stauden, Gehölze und kleine Bäume an. Der Pflegeaufwand und die Wartungskosten sind verhältnismäßig hoch (ähnlich wie bei einem Garten), doch die Qualität als nutzbarer Außenraum ist es ebenso.
Bei der Extensivbegrünung bepflanzt man das Dach mit Moosen, Gräsern und Kräutern. Diese Variante ist weniger pflegeintensiv, jedoch nicht zur Gartennutzung geeignet.
Bei der Extensivbegrünung bepflanzt man das Dach mit Moosen, Gräsern und Kräutern. Diese Variante ist weniger pflegeintensiv, jedoch nicht zur Gartennutzung geeignet.
Generell bieten begrünte Flachdächer einen besonderen Vorteil: Regenwasser kann auf der Fläche verdunsten und in der Substratschicht, die als Nährboden der Pflanzen dient, versickern. Gründächer halten also Flüssigkeit zurück, binden Feinstaub und verbessern so insgesamt das Klima der Umgebung. Sie bilden ein Dachbiotop, das Lebensraum für Kleinlebewesen bietet und verlagert jenes Stück Natur, das man mit dem Bau des Hauses besetzt hat, an die Gebäudeoberfläche. Begrünte Dächer gelten daher trotz Bebauung nicht als versiegelte Fläche, was sich auch an niedrigeren Regenabwassergebühren bemerkbar macht.
Allerdings benötigt man eine stabile Dachkonstruktion, die das verhältnismäßig hohe Gewicht des Aufbaus inklusive Pflanzen tragen kann. Ein Durchwurzelungsschutz ist ebenfalls unumgänglich, um die Dachfläche vor Schäden zu bewahren.
Allerdings benötigt man eine stabile Dachkonstruktion, die das verhältnismäßig hohe Gewicht des Aufbaus inklusive Pflanzen tragen kann. Ein Durchwurzelungsschutz ist ebenfalls unumgänglich, um die Dachfläche vor Schäden zu bewahren.
Das Gründach ist eine der teuersten Dachdeckungsvarianten. Je nach Pflanzenauswahl und Dachneigung variieren die anfallenden Kosten: Pro Quadratmeter belaufen sie sich bei einem Flachdach mit geringer Bepflanzung auf mindestens 30 Euro allein für die Materialkosten. Dazu kommen Arbeits- und Wartungskosten.
Falls Sie sich für ein begrüntes Dach entscheiden, informieren Sie sich über Förderzuschüsse – in einigen Städten und Kommunen und auch bei der KfW gibt es sie.
Da wächst ja was! 6 Argumente für ein begrüntes Dach
Falls Sie sich für ein begrüntes Dach entscheiden, informieren Sie sich über Förderzuschüsse – in einigen Städten und Kommunen und auch bei der KfW gibt es sie.
Da wächst ja was! 6 Argumente für ein begrüntes Dach
Metalldach mit Solarfolie
Umweltbewusste Hausbauer setzen auf Solarelemente, um durch Sonnenlicht Strom zu gewinnen. Eine Möglichkeit ist die Kombination des Metalldachs mit einer Solarfolie, die auf die Metalloberfläche laminiert ist. Eine weitere Variante sind Solardachziegel, bei denen die Solarzellen auf übliche Tondachziegel geklebt oder mechanisch befestigt sind. Für Dachsteine oder Schiefereindeckungen gibt es vergleichbare Solarlösungen. Sie können auch auf bereits bestehende Dächer integriert werden. Jedoch ist der finanzielle Aufwand vergleichsweise hoch, weshalb sie bisher nicht weit verbreitet sind.
Umweltbewusste Hausbauer setzen auf Solarelemente, um durch Sonnenlicht Strom zu gewinnen. Eine Möglichkeit ist die Kombination des Metalldachs mit einer Solarfolie, die auf die Metalloberfläche laminiert ist. Eine weitere Variante sind Solardachziegel, bei denen die Solarzellen auf übliche Tondachziegel geklebt oder mechanisch befestigt sind. Für Dachsteine oder Schiefereindeckungen gibt es vergleichbare Solarlösungen. Sie können auch auf bereits bestehende Dächer integriert werden. Jedoch ist der finanzielle Aufwand vergleichsweise hoch, weshalb sie bisher nicht weit verbreitet sind.
Kombinierte Dachdeckungen
Auch eine Mischung der Dacheindeckungen ist möglich. Häufig setzt man die Überdachung des Eingangs mit einem anderen Material wie Metall oder Glas von der restlichen Bedachung ab. Mit der entsprechenden Unterkonstruktion lassen sich verschiedene Deckungsarten kombinieren – besonders, wenn es sich um einzelne, konstruktiv voneinander getrennte Dachabschnitte handelt, wie in diesem Beispiel.
Mit welchem Material haben Sie Ihr Dach abgedeckt? Teilen Sie ein Bild Ihrer „fünften Fassade“ mit uns.
Zum Weiterlesen: Das Einmaleins der Dachdeckung, Teil 1: Ziegel, Schindel & Steine
Auch eine Mischung der Dacheindeckungen ist möglich. Häufig setzt man die Überdachung des Eingangs mit einem anderen Material wie Metall oder Glas von der restlichen Bedachung ab. Mit der entsprechenden Unterkonstruktion lassen sich verschiedene Deckungsarten kombinieren – besonders, wenn es sich um einzelne, konstruktiv voneinander getrennte Dachabschnitte handelt, wie in diesem Beispiel.
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Zum Weiterlesen: Das Einmaleins der Dachdeckung, Teil 1: Ziegel, Schindel & Steine





















Dächer aus Metall kennt man nicht nur von den Kuppeln russisch-orthodoxer Kirchen, Lagerhallen oder Fabriken. Mit Zink, Kupfer und Aluminium deckt man auch geneigte Dächer von Wohnhäusern ein. Die Metalldeckung ist eine der leichtesten Deckungsarten und setzt sich aus Blechbahnen, auch Schare genannt, zusammen. Daneben gibt es auch Metalleindeckungen, die Dachziegel imitieren.
Die Blechbahnen werden in der Regel durch Falzen, also mehrmaliges Umkanten der Bahnseiten, miteinander verbunden. Gängig ist der Doppelstehfalz. Außerdem gibt es den Einzelstehfalz, den Winkelstehfalz und die Verbindung in Leistentechnik, bei der die Schare durch Holzleisten getrennt sind und sich unabhängig voneinander bewegen können.