Große Kunst: Wohnen, inspiriert von Piet Mondrian
Wer hat Angst vor Rot, Blau, Gelb? Mit konstruktivistischen Gemälden hat er die Kunst revolutioniert; heute erweisen ihm Interiors Reverenz
Sie sehen simpel aus, sind aber komplex: Die berühmtesten Werke des niederländischen Künstlers Piet Mondrian setzen sich aus schwarzen Geraden und rechteckigen Flächen in Weiß und Primärfarben zusammen. Es sind Werke, in denen sich die Malerei auf sich selbst konzentriert. Am 7. März 2015 wäre Piet Mondrian 143 Jahre alt geworden, gestorben ist er jedoch schon 1944. Doch auch über 70 Jahre nach seinem Tod beeinflusst er Künstler, Architekten und Designer. Wüsste er, wie seine Werke sich in Interiors und Fassaden spiegeln – vermutlich würde es ihn freuen. Zumindest bei einigen.
Denn nicht nur um Malerei ging es Mondrian, als Mitglied der niederländischen Künstlergruppe De Stijl, gegründet 1917, folgte er metaphysischeren Zielen. Die Gruppe bezog sich auf Platon und Hegel; sie strebte nicht nur nach einem künstlerischen Neuanfang – der Erfindung der Malerei jenseits der referentiellen Malerei –, sondern nach einem vollkommenen Gleichgewicht zwischen dem Individuellen und dem Universellen. Sie beschworen die Utopie einer universellen Harmonie.
Die bedeutendste Umsetzung der De Stijl’schen Ideale in puncto Bauen ist das von Gerrit Rietveld entworfene Schröder-Haus von 1924 (bekannt als: Rietveld-Schröder-Haus, hier eine Entwurfszeichnung). Es zeigt, wie die bis dahin streng getrennten Disziplinen der Architektur, Skulptur und Malerei miteinander verschmelzen konnten, geeint durch ihren neuartigen Umgang mit Flächen und Volumina, durch den Einsatz von Primärfarben in kubisch-linearen Gestaltungen.
Viele Berührungspunkte zeigen sich hier übrigens auch mit den Gestaltungsansätzen des Bauhauses, wo man sich ebenfalls intensiv mit Primärfarben, Grundformen und einer Verschmelzung der Disziplinen beschäftigte
Viele Berührungspunkte zeigen sich hier übrigens auch mit den Gestaltungsansätzen des Bauhauses, wo man sich ebenfalls intensiv mit Primärfarben, Grundformen und einer Verschmelzung der Disziplinen beschäftigte
Die Ideen der Gruppe revolutionierten die Kunst, und faszinieren bis heute Gestalter jeglicher Couleur. Auch wenn es keine direkte Bezugnahme auf Mondrians Werk war, so lässt sich doch selbst in der Fassade des Eames House, 1949 entworfen von Charles und Ray Eames für die eigene Nutzung, eine Verwandtschaft erkennen.
Auch Modeschöpfer blieben nicht unbeeinflusst, das schönste Beispiel: Die Kollektion der Mondrian-Kleider, die Yves Saint Laurent ab 1965 entwarf. Sie betonen den weiblichen Körper nicht, sondern umhüllen, abstrahieren ihn in Form eines Sackkleides mit den typischen Flächenanordnungen Mondrians.
Auch Modeschöpfer blieben nicht unbeeinflusst, das schönste Beispiel: Die Kollektion der Mondrian-Kleider, die Yves Saint Laurent ab 1965 entwarf. Sie betonen den weiblichen Körper nicht, sondern umhüllen, abstrahieren ihn in Form eines Sackkleides mit den typischen Flächenanordnungen Mondrians.
Cappellini: Homage to Mondrian Schränkchen
Ein recht deutliches Zitat ist auch diese „Hommage an Mondrian“. Das Schränkchen, dessen Front wie eines der Gemälde des Niederländers daher kommt, entwarf der japanische Designer Shiro Kuramata 1973 für Cappellini. Man mag darüber sinnieren, wie verwandt die strengen Mondrian’schen Prinzipien der japanischen Ästhetik sind.
Heute gibt es wohl nichts, was nicht schon à la Mondrian gestaltet wurde – links zu sehen: Ein Spielhaus für Kinder von Barnes Vanze Architects aus Washington.
So ikonisch ist Mondrians Werk, so bekannt, dass man, wo immer man primärfarbige Flächen und schwarze Raster sieht, sofort seinen Namen im Kopf hat – auch wenn die Gestaltungen nicht immer den hehren und komplexen Prinzipien folgen, die seinen Werken zugrunde lagen (und nicht immer seine formale Qualität erreichen).
So ikonisch ist Mondrians Werk, so bekannt, dass man, wo immer man primärfarbige Flächen und schwarze Raster sieht, sofort seinen Namen im Kopf hat – auch wenn die Gestaltungen nicht immer den hehren und komplexen Prinzipien folgen, die seinen Werken zugrunde lagen (und nicht immer seine formale Qualität erreichen).
Eine Hommage an Mondrian kann aber durchaus dezenter ausfallen. In diesem Bad von Homeology Design aus London sind es die schwarzen Linien, die erst durch Details in Grundfarben mondrianesk werden; im Arbeitszimmer oben die farbig gefassten Nischen, die dem Raum einen Rhythmus geben.
Und selbst ein einzelnes yves-klein-blaues Quadrat, unten in einer Berliner Küche von Jana Kubischik, wirkt für uns wie ein freundlicher Gruß an den großen Niederländer.
Und selbst ein einzelnes yves-klein-blaues Quadrat, unten in einer Berliner Küche von Jana Kubischik, wirkt für uns wie ein freundlicher Gruß an den großen Niederländer.
Die Wahrnehmung von Mondrians Werk ist ebenso eng mit schwarzen, geradlinigem Raster verknüpft wie mit den Primärfarben, und ab etwa 1921 malte er auch ausschließlich so. Sein Frühwerk jedoch war geprägt von den erdigen Tönen klassischer Landschaften – vielleicht hat man sich bei Little Greene auch daran erinnert, als man diese mondrianeske Wandgestaltung erdachte.
Mondrian Table
Ebenfalls von Mondrian inspirieren ließ sich der belgische Designer Patrick Beyaert. Allein, bei diesem origamiartigen Beistelltisch hätte Mondrian selbst wohl protestiert: Als sein De-Stijl-Kollege Theo van Doesburg begann, in seinem Werk mit Diagonalen zu arbeiten und nicht mehr davon abließ, trat Mondrian demonstrativ aus der Gruppe aus.
Mögen Sie Mondrian? Gibt es in Ihrer Wohnung vielleicht auch eine Hommage an ihn – oder haben Sie anderswo Raster und Primärfarben entdeckt? Wir freuen uns auf ein Foto Ihrer Funde!
Mögen Sie Mondrian? Gibt es in Ihrer Wohnung vielleicht auch eine Hommage an ihn – oder haben Sie anderswo Raster und Primärfarben entdeckt? Wir freuen uns auf ein Foto Ihrer Funde!


















