Heute ist Samttag!
Ob Blue oder Red Velvet – richtig kombiniert wirken Möbel mit Samtbezug alles andere als altmodisch! Über das Comeback des sanften Flors
Woran denken Sie, wenn Sie an Samt denken? Ich denke an Opulenz und Prunk, an die Lehne des Ohrensessels meines Großvaters, an „Blue Velvet”, den Filmklassiker von David Lynch und Isabella Rosselinis Gesang, an eines der weniger schönen Kleidungsstücke, die ich mir als Teenager unbedingt zulegen musste – auf jeden Fall an Dinge, die in der Vergangenheit liegen. Aber Samt geht auch modern – und zur Zeit erlebt er eine Renaissance.
Farbkräftige Samtmöbel eignen sich hervorragend, um optische Highlights zu setzen. Die violetten Sessel fangen zwischen den Schwarz- und Cremetönen geradezu an zu leuchten. An solch intensiven Farbtupfern will man sich gar nicht satt sehen.
Grauer oder beiger Samt scheint zwar nicht ganz so aufregend. Doch die besondere Beschaffenheit des Materials fällt hier besonders auf. Der Flor, das heißt die Stofffasern, stehen leicht ab; das lässt Samt plastischer wirken als andere Stoffe und bringt die Oberfläche zum Schimmern. Das kann man nicht nur sehen, sondern auch fühlen. Sie haben das sicher schon einmal gemerkt, wenn Sie über die Lehne eines Samtsessels gestrichen haben – die Fasern haben eine Strichrichtung. Streicht man dagegen, fühlt sich der Stoff rauer an, bewegt man die Handfläche mit der Strichrichtung, fühlt er sich weicher an.
Und so ist auch das erste Bedürfnis, das einen beim Anblick dieses moosgrünen Zweisitzers überfällt, nicht, sich darauf zu setzen – sondern mit der Hand über den Stoff zu streichen. Abgesehen von seiner charakteristischen Optik, spricht vor allem die besondere Haptik für Samt. Größte Gefahr? Man kommt zwar aus dem Bett, aber nicht aus dem Schlafzimmer …
Es muss nicht gleich ein ganzes Sofa sein. Doch auch am Beispiel dieses Sessels zeigt sich, dass im Hintergrund dezente Zurückhaltung ganz gut tut. Das Strandbild von Massimo Vitali an der Wand ist großflächig, aber unaufdringlich, die Stehleuchte schmal und weiß, die cremefarbenen Accessoires auf dem hölzernen Beistelltisch ergänzen die Erdtöne des Polsters, anstatt dazu in Konkurrenz zu treten.
Stuck, Kamin, Parkettboden, und ein dunkles Farbspektrum. Warum wirkt der Samtsessel hier nicht völlig altbacken? Es liegt am Mix. Bei dem Motiv über dem Kamin handelt es sich nicht um einen alten Schinken, der Druck zeigt den Körper einer wild tätowierten Person – eine Arbeit des britischen Pop-Art-Künstlers Peter Blake. Der Samtsessel selbst wirkt auch nicht aus der Zeit gefallen: Seine Form ist schnörkellos, die petrolblaue Farbe frisch.
Wandfarbe: Arsenic, Farrow & Ball
Wandfarbe: Arsenic, Farrow & Ball
Wie bei vielen Polstermöbeln, werden auch bei solchen aus Samt die Sitz- oder Liegefläche häufig mit Knöpfen geheftet. Man nennt das Kapitonierung. Diese Technik macht das Material stabiler, mutet aber in Kombination mit den gedrechselten Beinen auch ein wenig altertümlich an. Deswegen hat man der verwaschen bordeauxfarbenen Chaiselongue und den Vorhängen einfach Möbel aus Chrom und Acryl entgegengesetzt.
Das Zimmer ist hell und top renoviert, die Farben gedeckt. Ein Setting, in dem das voluminöse Sofa längst nicht so altmodisch aussieht, wie wenn es in einem rustikalen Forsthaus stünde.
Sie haben die perfekten Sitzgelegenheiten längst gefunden? Dann können Sie diese mit ein paar Kissen aus Samt garnieren. Auch da ist der Kuschelfaktor ziemlich hoch…
Sind Sie Samt-Fan? Oder ist Ihnen das alles zu plüschig? Erzählen Sie’s uns in den Kommentaren!
Sind Sie Samt-Fan? Oder ist Ihnen das alles zu plüschig? Erzählen Sie’s uns in den Kommentaren!













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