Houzzbesuch
Architektur
Houzzbesuch: Alles im Fluss im Leipziger Umland
Bloß keine weiße Bauhaus-Kiste!, sagten die Bauherren. Ihr neues Haus ist jetzt grün, winklig – und schlängelt sich als Mäander durch Bäume
Unberechenbar wild wie eine Flussschlinge zieht sich das moosgrüne Haus durch den Garten – vielleicht mit ein paar mehr Ecken und Kanten. Aber doch passt sich der „Grüne Mäander“, gestaltet vom Leipziger Architekturstudio Atelier ST, wie sein Namensgeber an die Umgebung an. Kaum ein Baum durfte dem Haus weichen – es wich den Bäumen aus.
Ganz bewusst haben sich die Bauherren, eine vierköpfige Familie, für diese Lage entschieden. Mitten drin, in einer gut situierten Einfamilienhaussiedlung bei Leipzig lag das Grundstück mit seiner vielseitigen Vegetation brach. Von außen gibt das eingeschossige Haus nicht an, schmiegt sich mit seiner grün lasierten Fichtenfassade unauffällig in die Umgebung. Eine winklige Kurve später erst gibt es seine Größe und Qualitäten preis – samt großflächiger Verglasung und privatem Innenhof.
Ganz bewusst haben sich die Bauherren, eine vierköpfige Familie, für diese Lage entschieden. Mitten drin, in einer gut situierten Einfamilienhaussiedlung bei Leipzig lag das Grundstück mit seiner vielseitigen Vegetation brach. Von außen gibt das eingeschossige Haus nicht an, schmiegt sich mit seiner grün lasierten Fichtenfassade unauffällig in die Umgebung. Eine winklige Kurve später erst gibt es seine Größe und Qualitäten preis – samt großflächiger Verglasung und privatem Innenhof.
Von der Straße sieht das Haus beinahe gewöhnlich aus, mit gepflasterter Hofeinfahrt und dem klassischen Küchenfenster zur Straße hin. Die dunkelgrüne Fassade hebt sich zwar von der Optik der restlichen Wohnsiedlung ab, von den benachbarten Tannen und Kiefern aber nicht.
Von hier aus nimmt man nur einen kleinen Teil des langgestreckten und verwinkelten Hauses wahr. Von dem privaten Innenhof und dem herrlichen Garten ahnt man nichts. Das Haus schirmt sich charmant von der Straße ab.
Von hier aus nimmt man nur einen kleinen Teil des langgestreckten und verwinkelten Hauses wahr. Von dem privaten Innenhof und dem herrlichen Garten ahnt man nichts. Das Haus schirmt sich charmant von der Straße ab.
Der „Grüne Mäander“ ist definitiv keine weiße Kiste, die mehrwinklige Form des Hauses basiert auf vier orthogonalen Rechtecken. Durch die Zusammenfügung der Rechtecke ergibt sich die komplexe Geometrie des Hauses. „Auf Wunsch unserer Bauherren findet man hier kaum einen rechten Winkel. Spannende Ausblicke, Einblicke und Durchblicke sollten das Haus besonders machen und aus einer geradlinigen Reihe tanzen lassen“, sagt Schellenberg-Thaut.
Samt Ecken und Kanten schlängelt sich das Haus mit seiner großen Dachlandschaft aus Aluminiumschindeln nun also durch die großgewachsenen Bäume und Sträucher des Grundstücks. Mitten drin der Innenhof. „Erst hatten die Bewohner einen Vierkanthof im Sinn. Die Idee mochten wir, haben sie jedoch etwas zeitgemäßer interpretiert“, so Schellenberg-Thaut. Der Innenhof öffnet sich nach Süden, windgeschützt, und ist umringt von ein paar uralten Kiefernbäumen. Von hier aus können die Eltern ihren Kindern jetzt beim Buddeln und Schaukeln zusehen.
Samt Ecken und Kanten schlängelt sich das Haus mit seiner großen Dachlandschaft aus Aluminiumschindeln nun also durch die großgewachsenen Bäume und Sträucher des Grundstücks. Mitten drin der Innenhof. „Erst hatten die Bewohner einen Vierkanthof im Sinn. Die Idee mochten wir, haben sie jedoch etwas zeitgemäßer interpretiert“, so Schellenberg-Thaut. Der Innenhof öffnet sich nach Süden, windgeschützt, und ist umringt von ein paar uralten Kiefernbäumen. Von hier aus können die Eltern ihren Kindern jetzt beim Buddeln und Schaukeln zusehen.
Im Piktogramm lässt sich die Anordnung der vier Rechtecke mit den Sichtachsen noch einmal betrachten. Das geschützte Herzstück, der Innenhof, ist hier grün markiert.
Treten wir aber jetzt einmal ein. Hinter der kleinteiligen Sprossentür in Dunkelgrün hindurch (siehe Foto oben), wird man im Inneren von hohen Decken und einer extravaganten Architektur überrascht. Schon im Eingangsbereich, von dem aus ganz klassisch rechts die Küche und links das Gäste-WC abgehen, erahnt man die tatsächliche Größe des Gebäudes, erste spannende Durchblicke in den Wohn- Essbereich und Ausblicke in den Garten sind zu erhaschen. „Trotz der offenen Raumzusammenhänge und einer Deckenhöhe von fünfeinhalb Metern sind geborgene Rückzugsorte entstanden“, sagt Schellenberg-Thaut. Wie etwa die Küche, die sich hier im Rücken zum Bild befindet.
Ohne Türen zum Flur, aber in einer Nische eingebaut ist die Küche der Lieblingsort der Bauherrin. „Lange konnte sie sich das Konzept des Hauses nicht richtig vorstellen. Erst als wir eine Skizze der Küche anfertigten, war sie hin und weg“, erinnert sich Schellenberg-Thaut.
„Mit dem Bild von spießigen Sprossenfenstern haben wir im ganzes Haus etwas humorvoll gespielt“, sagt Schellenberg-Thaut. „Es sollte kein Gebäude im reinen Landhaus-Stil werden, aber eben auch nicht zu modern. Nun ist es ein Hybrid aus beidem.“
Die Küche ist modern, industriell und doch heimelig. Die Fronten sind aus Holz und seidenmatt-weiß lackiert, der Spritzschutz ist aus Zementfliesen von Miracolour, die Leuchte ein Vintage-Stück.
Während die Eltern das Essen auf der Arbeitsplatte aus schwarzem Linoleum zubereiten, können die Kleinen in den tiefen Fichtenlaibungen der fast raumhohen Fenster sitzen und spielen.
„Mit dem Bild von spießigen Sprossenfenstern haben wir im ganzes Haus etwas humorvoll gespielt“, sagt Schellenberg-Thaut. „Es sollte kein Gebäude im reinen Landhaus-Stil werden, aber eben auch nicht zu modern. Nun ist es ein Hybrid aus beidem.“
Die Küche ist modern, industriell und doch heimelig. Die Fronten sind aus Holz und seidenmatt-weiß lackiert, der Spritzschutz ist aus Zementfliesen von Miracolour, die Leuchte ein Vintage-Stück.
Während die Eltern das Essen auf der Arbeitsplatte aus schwarzem Linoleum zubereiten, können die Kleinen in den tiefen Fichtenlaibungen der fast raumhohen Fenster sitzen und spielen.
Das Wohn- und Esszimmer bildet den Mittelpunkt des Hauses, es ist vom Eingangsbereich aus zu erreichen. Im ganzen Haus besteht der Boden aus flügelgeglättetem Estrich, er ist ein verbindendes Element, der Fluss im Inneren. „Noch mehr Holz wäre zu viel gewesen. Damit es nicht zu fußkalt ist, ist überall Fußbodenheizung verlegt“, sagt Schellenberg-Thaut.
Ein weiterer Kontrast entspinnt sich zwischen dem schlichten Kalk-Gipsputz an Wänden und Decken und den warmen Nadelholzrahmen der Fenster, sowie klassichen Details, wie feinen Porzellangriffen an den Möbeln und Türgriffen aus Bronze. „Es sind die Kontraste und Brüche, die das Haus so einzigartig und lebenswert für die Familie machen“, sagt die Architektin.
Über zwei Treppenstufen in den tiefen Fensterlaibungen gelangt man hier, und an anderen Stellen, in den geschützten Innenhof.
Ein weiterer Kontrast entspinnt sich zwischen dem schlichten Kalk-Gipsputz an Wänden und Decken und den warmen Nadelholzrahmen der Fenster, sowie klassichen Details, wie feinen Porzellangriffen an den Möbeln und Türgriffen aus Bronze. „Es sind die Kontraste und Brüche, die das Haus so einzigartig und lebenswert für die Familie machen“, sagt die Architektin.
Über zwei Treppenstufen in den tiefen Fensterlaibungen gelangt man hier, und an anderen Stellen, in den geschützten Innenhof.
Die Winkel, Ecke und Knicke, die das Haus von außen ausmachen, sind auch im Inneren allgegenwärtig. Kaum eine Wand steht im rechten Winkel zur nächsten, auch der Dachstuhl ist durch interessante Blickbeziehungen geprägt. In der Monografie des Architektenpaars ist von „sakralen Raumerlebnissen“ die Rede. „Niedrige Räume wären für die Bauherren nicht in Frage gekommen, da sie durch ihre vorherige Wohnsituation Weite und Raumhöhe gewohnt waren“, sagt Schellenberg-Thaut.
Architekten in Ihrer Nähe
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„Viele Möbel haben die Bewohner aus ihrer alten Loftwohnung mitgebracht. Und wie mir die Bauherrin erzählte, hat alles wie von selbst seinen Platz gefunden“, so Schellenberg-Thaut. Alt steht nun neben Neu, Holz trifft auf Metall und Farbe auf schlichten Grund. Mit Kontrasten wird auch bei der Möblierung gespielt.
Die privaten Schlafräume und das große Badezimmer sind durch eine unauffällige Schiebetür vom Wohnraum getrennt.
Sessel: Eames Lounge Chair, Vitra, Stehleuchte: Tolomeo Mega, Artemide
Die privaten Schlafräume und das große Badezimmer sind durch eine unauffällige Schiebetür vom Wohnraum getrennt.
Sessel: Eames Lounge Chair, Vitra, Stehleuchte: Tolomeo Mega, Artemide
Im großen Familienbad wird die grüne Farbe der Holzfassade, aber auch der umgebenden Vegetation aufgenommen. Die Mosaikfliesen von Bisazza schimmern in vielen grünen Facetten. Genau hingeschaut, scheint die Anordnung der Fliesen selbst einer langen Mäandrierung zu ähneln. „Die eingebaute Sitzbank in der Dusche lieben die Kinder der Bauherren sehr“, sagt Schellenberg-Thaut. Design ist die eine Sache, Spaß an der Architektur aber die wichtigste.
Es scheint also, als wäre in diesem Haus alles im Einklang, im Fluss. Es ist das perfekte neue Zuhause für die vierköpfige Familie, die nicht nur mit der Architektur ihres Hauses viel Spaß zu haben scheint..
Es scheint also, als wäre in diesem Haus alles im Einklang, im Fluss. Es ist das perfekte neue Zuhause für die vierköpfige Familie, die nicht nur mit der Architektur ihres Hauses viel Spaß zu haben scheint..
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Hier wohnt: eine inzwischen vierköpfige Familie
In: Leipzig-Holzhausen
Auf: 203 Quadratmetern, umgeben von rund 1000 Quadratmeter Grundstück
Experte: Atelier ST
Fotos: Werner Huthmacher, Coverfoto: Wolfgang Stahl
Sind Marsmenschen gelandet? Zum Glück nicht. Aber in diesem Coverfoto zeigen sich schon zwei Punkte, die für dieses Haus zentral sind: Das Verschmelzen mit der Umgebung – und viel Spaß an Architektur.
Alles, nur keine schicke weiße Bauhaus-Kiste! Das war der Wunsch der Bauherren. Bekommen haben sie ein Haus, das sich zwischen amerikanischer Ranch und einem zeitgemäßen Eigenheim einordnen lässt. So jedenfalls interpretiert es das Architektenpaar von Atelier ST in seiner Monografie „Architektur und Du“, erschienen zum 10-jährigen Jubiläum ihres Architekturstudios. Zu sehen sind darin viele Projekte des jungen Teams, samt avantgardistischen Bildern (wie etwa das Buchcover) und gewitzten Texten. „In diesem Zuge sind auch viele künstlerische Fotografien zu diesem Haus entstanden, die zeigen sollen, dass Architektur vor allem Spaß machen soll“, erklärt Silvia Schellenberg-Thaut, die Atelier ST gemeinsam mit ihrem Mann Sebastian Thaut führt. Einen ganzen Tag war ein Masken-Team vor Ort und setzte den „Grünen Mäander“ mit seinen Bewohnern wirkungsvoll in Szene – mit dem Ziel Haus und Familie eins werden zu lassen. In grünen Ganzkörper-Overalls zeigt sich die Familie hier im Einklang mit der dunkelgrünen Holzverkleidung.