Houzzbesuch
Houzzbesuch: Eine Villa in Süddeutschland, ganz in Kalkstein gehüllt
1000 Quadratmeter Travertin und Muschelkalk: Dieses Privathaus wartet mit luxuriösen Materialien in makelloser Ausführung auf
Naturstein Förstl aus Stammham bei Ingolstadt ist eine Anlaufstelle für viele namhafte Architekturbüros. Denn Steinmetzmeister Georg Förstl, Sohn des Firmengründers Georg Förstl senior, führt im Auftrag oder auch selbst gestaltend präzise Arbeiten in edlem Stein aus. So geschehen auch bei diesem Bauprojekt des Büros Titus Bernhard aus Augsburg, das für eine vierköpfige Familie in Süddeutschland nach höchstem Wohnstandard baute. Die Vision hatte der Architekt, die versierte Ausführung übernahmen Förstl und sein Team, bestehend aus vier weiteren Steinmetzen. Knapp fünf Monate arbeiteten sie auf der Baustelle und richteten sich dort sogar eine eigene Werkstatt in der Tiefgarage ein, mit Absaugung, Baustellensäge und allem, was man noch brauchte. Das Ergebnis ist Luxus in einem Gewand aus Kalkstein, der dank warmer Farbe und schöner Musterung so behaglich wirkt, wie wir es sonst nur von Massivholz kennen.
Auf einen Blick
Hier wohnt: eine Familie mit zwei Kindern und drei Hunden
In: Süddeutschland
Auf: 500 Quadratmetern
Experten: Förstl Naturstein, Stammham bei Ingolstadt, Architekten: Titus Bernhard Architekten, Augsburg
Fotos: Susan Buth Fotografie
Auf einen Blick
Hier wohnt: eine Familie mit zwei Kindern und drei Hunden
In: Süddeutschland
Auf: 500 Quadratmetern
Experten: Förstl Naturstein, Stammham bei Ingolstadt, Architekten: Titus Bernhard Architekten, Augsburg
Fotos: Susan Buth Fotografie
In der Eingangshalle empfängt den Besucher ein Boden aus römischem Travertine striato (Italienisch für „gestreift“) – Travertin mit Bänderung. „Die Maserung erhält man, wenn der Stein gegen das Lager geschnitten wird“, erklärt Georg Förstl, der 2003 seinen Meister als Steinmetz machte und seit zehn Jahren im Familienbetrieb arbeitet. Der Stein wurde in Verona verarbeitet und dann angeliefert. „Um Verona sitzen die meisten Steinwerke. Hier kommen Materialien aus der ganzen Welt an“, so Förstl.
Doch bevor der gewünschte Stein gefunden war, ging es an die Bemusterung der Materialien. Naturstein Förstl lieferten aus Italien Wechselbeläge von 90x60 und 90x20 Zentimeter großen Platten in den Rohbau, um das passende Material ausfindig zu machen. Die Italiener schickten Bilder zur Auswahl des Steins. 20-30 Bilder wanderten hin und her. Die Auswahl dauerte insgesamt acht Wochen. Nicht nur der Stein selbst, auch die Fugen wurden bemustert, um die ideale Lösung zur Verarbeitung zu identifizieren. „Bei der Fugenbemusterung werden auf dem fertig verlegten Bodenbelag zwei bis drei verschiedene Fugenfarben angelegt, um daraus dann eine Entscheidung zu treffen. Die Fugenbreite beträgt immer drei Millimeter“, erklärt Förstl.
Doch bevor der gewünschte Stein gefunden war, ging es an die Bemusterung der Materialien. Naturstein Förstl lieferten aus Italien Wechselbeläge von 90x60 und 90x20 Zentimeter großen Platten in den Rohbau, um das passende Material ausfindig zu machen. Die Italiener schickten Bilder zur Auswahl des Steins. 20-30 Bilder wanderten hin und her. Die Auswahl dauerte insgesamt acht Wochen. Nicht nur der Stein selbst, auch die Fugen wurden bemustert, um die ideale Lösung zur Verarbeitung zu identifizieren. „Bei der Fugenbemusterung werden auf dem fertig verlegten Bodenbelag zwei bis drei verschiedene Fugenfarben angelegt, um daraus dann eine Entscheidung zu treffen. Die Fugenbreite beträgt immer drei Millimeter“, erklärt Förstl.
Eine von zwei Deutschen Doggen der Familie entspannt auf der modernen Leder-Chaiselongue. Ihr und dem Laien wird hier wahrscheinlich nur unbewusst die Gleichmäßigkeit der Maserung auffallen. Sie verdankt sich jedoch sorgfältiger Planung und Präzisionsarbeit: „Wir wollten die Struktur des Steins möglichst durchs ganze Haus gehen lassen. Platten, die aneinander liegen, haben dieselbe Struktur. Aus Rohplatten von drei Metern Länge haben wir in Italien insgesamt sechs Platten schneiden und nummerieren lassen, um sie hier wieder aneinanderfügen zu können“, sagt Förstl.
Von der ledernen Chaise ist es nicht weit bis zum Wohn- und Küchenbereich.
Die graue Sofalandschaft steht einem Sideboard gegenüber, das überleitet zum Panoramakamin der Küche.
In direkter Nachbarschaft zum langen Esstisch sorgt der Kamin im Winter für wohlige Wärme.
Die Arbeitsplatte des Küchentresens ist selbstverständlich, wie der gesamte Boden, aus Travertin gefertigt.
Das nächste Highlight in Sachen Naturstein bietet die frei auskragende Treppe, deren Stufen aussehen, als seien sie massiv. Im inneren stecken auskragende Rundstahlstäbe. „Der Stein ist wie ein Schuh darübergestülpt“, erklärt Förstl. Da die Stäbe extrem große Durchmesser hatten, musste der Travertin sehr dünn geschnitten werden. „Der sichtbare Stein ist nur drei Millimeter stark, darunter liegen zwei Schichten: Ein Gewebe mit Epoxidharz und eine 10 Millimeter starke Keramik.“
Die Haltebolzen zur Befestigung der gläsernen Brüstung sind an den Rundstahlstäben befestigt. Vorgabe war, dass sich der Stahl – und somit die Stufen – unter Belastung nicht mehr als zwei Millimeter auf oder ab bewegen durften, da sonst das Glas brechen würde.
Je eine einläufige Treppe führt vom Erdgeschoss in den Keller und ins Obergeschoss hinauf.
Auch im Kellergeschoss ist der Boden mit Travertine striato belegt, umgeben von dunklen Einbauschränken.
Neben der Tiefgarage und einer Einliegerwohnung für Gäste findet sich im Kellergeschoss ein Wellnessbereich, der seinem Namen alle Ehre macht. Hier wird der Travertin von Kirchheimer Muschelkalk abgelöst – der den Räumen rund um Sauna, Dusche und Pool eine erdige Schwere verleiht.
Kirchheimer Muschelkalk werde in den Kehlheimer Natursteinwerken verarbeitet, erklärt Förstl. Auch dieser Stein ist gegen das Lager geschnitten und daher gebändert. Schneidet man mit dem Lager, erhält Kalkstein eine gewölkte Maserung.
„Kanten, die sichtbar sind, haben wir überall im Haus auf Gehrung verarbeitet“, sagt Förstl. Dadurch entsteht der Eindruck massiven Steins.
„Kanten, die sichtbar sind, haben wir überall im Haus auf Gehrung verarbeitet“, sagt Förstl. Dadurch entsteht der Eindruck massiven Steins.
Das Poolbecken ist oberhalb der Wasserkante mit Naturstein ausgekleidet, darunter dann mit Fliesen in derselben Plattengröße.
Das Glas, hinter dem ein antikes Schaukelpferd auf dem Flur steht, ist Teil der Absturzsicherung der darüber liegenden Treppe.
Vom Keller geht es zurück in die Eingangshalle und dann hinauf in den ersten Stock.
Im Obergeschoss weckt dieses flammend rote Gemälde Assoziationen mit der Malerei holländischer Meister des Barock. Von hier aus hat man Zugang zum Schlafzimmer, gleich rechts, dahinter befinden sich die Kinderzimmer und ein Familienraum.
Bild: Salustiano
Bild: Salustiano
Das Elternbad birgt eine Abwechslung zum bisherigen Gestaltungsprinzip: Hier ist der Boden ausnahmsweise einmal nicht mit Travertin belegt, sondern mit dunklen Dielen. Jedoch bleiben die Wanne, die dahinterliegende Dusche und auch Abdeckplatte und Waschbecken im Material der Wahl.
Eine Linienentwässerung sorgt dafür, dass das Wasser am Waschtisch abfließt. Am tiefsten Punkt der schräg abfallenden Fläche befindet sich eine herausnehmbare Rille.
„Travertin eignet sich gut für Nassräume, da er offenporig ist. So kann Wasser zwar einerseits gut eindringen, aber auch ebenso gut wieder entweichen“, sagt Förstl.
Der Eindruck einer durchgängigen Struktur ist auch im Bad und bodengleicher Dusche dem Schnitt aus einem Rohblock zu verdanken, deren einzelne Platten dank Nummerierung wieder aneinandergefügt werden konnten. Der Duschboden ist sogar einteilig – eine große Platte, die rückseitig mit einer Flüssigimprägnierung behandelt wurde. „Ähnlich wie man eine Jacke imprägnieren würde“, sagt Förstl. Die Imprägnierung verhindert, dass die Platte von unten durchfeuchtet, und ist so vor einer Durchfleckung geschützt.
Im Kinderbad ist alles steinern: Böden, Dusche, Wanneneinfassung und Wände.
Tolle Bäder mit Steinfliesen und Steinplatten entdecken
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Die Toilette kann durch eine versteckte Schiebetüre verschlossen werden.
Wie kann man die Toilette verstecken?
Wie kann man die Toilette verstecken?
Eine Glasscheibe schützt den Raum vor herumspritzendem Duschwasser – im Kinderbad sicherlich eine gute Idee.
Auch der Terrassenboden besteht aus Travertin. „Im Haus ist der Stein mit Epoxidharz gespachtelt worden, draußen nicht, da seine Offenporigkeit zur Entwässerung günstig ist“, erklärt Georg Förstl.
Knapp 1000 Quadratmeter Naturstein hat Georg Förstl mit seinem Team in diesem Projekt verbaut. Der üppige Einsatz von Travertin und Muschelkalk sorgt für eine selten gesehene stoffliche Hochwertigkeit der Architektur. Bezeichnend für ein Projekt, das seine eigene Steinmetz-Bauhütte auf der Baustelle hatte.







































Die Firmengruppe Förstl besteht seit mehr als 30 Jahren als reiner Familienbetrieb und ist auf Kalkstein spezialisiert und heimatlich mit ihm verbunden.
Am Eingangsbereich sind Planken aus Kunstholz verlegt. Erst wenn die große Eingangstür aufschwingt, offenbart sich, welch edler Stoff diese Architektur hauptsächlich prägt.