Houzzbesuch: Herz aus Beton für ein altes Berliner Dachgeschoss
Raum im Raum: Um den Dachstuhl eines Altbaus in eine loftige Wohnung zu verwandeln, setzte die Architektin einen Betonkubus ins alte Gebälk
Ein typischer Altbau in Berlin-Kreuzberg: Mehrfamilienhaus, gebaut um 1900, Wohnungen über fünf Stockwerke. Einzig der Dachstuhl war noch in seinem rohen (und absolut unbewohnbaren) Zustand, als Architektin Tanja Meyle (Meylenstein) den Auftrag erhielt, im wahrsten Sinne des Wortes noch eins drauf zu setzen. Mit ungewöhnlichen Ideen schuf sie eine beeindruckende Wohnung über den Dächern Berlins, die den einzigartigen Charakter der Bausubstanz bewahrt und sich doch offen für Neues zeigt. Wie ihr das gelang? Indem sie einen modernen Betonkubus zwischen das alte Gebälk setzte.
Auf einen Blick
Hier wohnt: eine Person
In: einem Dachgeschoss-Loft in Berlin-Kreuzberg
Auf: 250 Quadratmetern
Experte: Tanja Meyle von Meylenstein
Fotos: Markus Mahle
Auf einen Blick
Hier wohnt: eine Person
In: einem Dachgeschoss-Loft in Berlin-Kreuzberg
Auf: 250 Quadratmetern
Experte: Tanja Meyle von Meylenstein
Fotos: Markus Mahle
Wir bleiben aber erst einmal unten. Wie so vieles in dieser außergewöhnlichen Wohnung ist die Tür zum Lagerraum eine Sonderanfertigung, eine sogenannte Tapetentür, die über einen Push-To-Open-Möbelbeschlag geöffnet wird. „Die Tapetentür heißt so, weil man sie nicht sehen soll – als wäre sie eins mit der Wand und im Falle einer Tapete auch übertapeziert. Also wie aus einem James-Bond- oder Sherlock-Holmes-Film entsprungen“, erklärt Tanja Meyle.
So homogen wie möglich sollte der mit Beton verputzte Kubus wirken, eine Masse im Raum. So ist auch der Fußbodenwechsel vor der Tapetentür zu erklären: er zeichnet die Kontur des auskragenden Obergeschosses des Kubus am Boden nach.
Die alten Holzbalken erhielt Meyle, um den Dachbodencharakter der Wohnung zu bewahren. Zwischen ihnen und dem modernen Betonquader entspinnt sich ein spannender Kontrast.
So homogen wie möglich sollte der mit Beton verputzte Kubus wirken, eine Masse im Raum. So ist auch der Fußbodenwechsel vor der Tapetentür zu erklären: er zeichnet die Kontur des auskragenden Obergeschosses des Kubus am Boden nach.
Die alten Holzbalken erhielt Meyle, um den Dachbodencharakter der Wohnung zu bewahren. Zwischen ihnen und dem modernen Betonquader entspinnt sich ein spannender Kontrast.
Auf dieser Seite des Kubus befindet sich der offene Koch- und Essbereich. Der massive Block in der Mitte des Raumes übernimmt alle Funktionen, die hier gefragt sind. Als Sonderanfertigung wurde das Gerüst des Möbelstücks vor Ort gegossen. Nun beherbergt es auf der Küchenseite neben Spüle und Kochfeld auch Geschirrspüler sowie ein vom Tischler passgenau integriertes Abfallmanagement. All das versteckt sich, neben großzügigem Stauraum, hinter grau lasierten Schrank- und Schubladenfronten aus MDF, die sich wieder per Push-To-Open öffnen lassen.
Mit einem mobilen Küchenblock, der neben integrierten Besteckschubladen weiteren Stauraum bietet, lässt sich die Arbeitsfläche bei Bedarf erweitern. „Entweder man kocht und braucht daneben eine Ablage zum Schnippeln. Oder man räumt gerade den Kühlschrank aus für ein Frühstück im Wohnzimmer – dann kann man mit dem Rollwagen auch direkt dorthin fahren“, so Meyle.
Mit einem mobilen Küchenblock, der neben integrierten Besteckschubladen weiteren Stauraum bietet, lässt sich die Arbeitsfläche bei Bedarf erweitern. „Entweder man kocht und braucht daneben eine Ablage zum Schnippeln. Oder man räumt gerade den Kühlschrank aus für ein Frühstück im Wohnzimmer – dann kann man mit dem Rollwagen auch direkt dorthin fahren“, so Meyle.
Da die Insel – samt selbsttragender Tischplatte und aller benötigten Ausschnitte für die Kochfläche und die beiden untergebauten Spülbecken aus Edelstahl – vor Ort individuell gegossen wurde, konnten Sonderwünsche leicht berücksichtigt werden; zum Beispiel Löcher in der Schalung, durch die die Kabel der Küchengeräte geführt werden.
Als Arbeitsfläche war der Ortbeton aber nicht geeignet: Nicht glatt genug; außerdem unterschied sich der Grauton deutlich von den anderen Betonputzflächen. Aus diesem Grund wurde die Oberfläche der Kücheninsel in einem letzten Arbeitsgang mit Betonputz an die anderen Flächen angeglichen.
Außerdem in diesem Bild: Ein Wandschrank, der Kühl- und Gefrierkombination, Backofen und die Espressomaschine beherbergt sowie Stauraum für Kochutensilien bietet. Besonderer Clou: Zwei ausziehbare Platten aus Vollholz dienen beim Ein- und Ausräumen als zusätzliche Ablagefläche.
Als Arbeitsfläche war der Ortbeton aber nicht geeignet: Nicht glatt genug; außerdem unterschied sich der Grauton deutlich von den anderen Betonputzflächen. Aus diesem Grund wurde die Oberfläche der Kücheninsel in einem letzten Arbeitsgang mit Betonputz an die anderen Flächen angeglichen.
Außerdem in diesem Bild: Ein Wandschrank, der Kühl- und Gefrierkombination, Backofen und die Espressomaschine beherbergt sowie Stauraum für Kochutensilien bietet. Besonderer Clou: Zwei ausziehbare Platten aus Vollholz dienen beim Ein- und Ausräumen als zusätzliche Ablagefläche.
Folgt man der offenen Treppe, erreicht man über eine Galerie die Dachterrasse und das kombinierte Schlaf- und Badezimmer der Wohnung.
Wie aus einem Guss wirken Wände, Decke und Fußboden, alle mit dem gleichen Betonputz versehen wie die Außenwände. So entsteht der Eindruck, man befände sich inmitten eines Steins. Der ebenfalls betonverputzte Waschtisch fungiert gleichzeitig als Raumtrenner: zu seiner Rechten steht das Bett damit in einer geschützten Ecke.
Wie aus einem Guss wirken Wände, Decke und Fußboden, alle mit dem gleichen Betonputz versehen wie die Außenwände. So entsteht der Eindruck, man befände sich inmitten eines Steins. Der ebenfalls betonverputzte Waschtisch fungiert gleichzeitig als Raumtrenner: zu seiner Rechten steht das Bett damit in einer geschützten Ecke.
Linkerhand geht es zwischen Waschtisch und Glasfront hindurch und vorbei an einem ebenfalls eingebauten und betonverputzten Regal zur räumlich abgetrennten Toilette.
In die Fächer unter dem Waschtisch passte der Tischler Schubkästen ein, die um die Ecke fortgeführt werden. Ihr Innenleben ist aus Vollholz, während sich an den grau lasierten Fronten die darunter liegende MDF-Struktur noch ablesen lässt.
Da es sich bei dem Waschtisch mit seinen Regalfächern wie auch bei dem Koch-Essmöbel um Sonderanfertigungen handelt, war mitunter Improvisationstalent gefragt – auch bei Tanja Meyle. „Ich habe diese beiden Objekte in maßstabsgetreuen Papp-Modellen auf die Baustelle gebracht und wir haben gemeinsam vor Ort diskutiert welches der beste Weg zum Ziel ist“, so Meyle.
Da es sich bei dem Waschtisch mit seinen Regalfächern wie auch bei dem Koch-Essmöbel um Sonderanfertigungen handelt, war mitunter Improvisationstalent gefragt – auch bei Tanja Meyle. „Ich habe diese beiden Objekte in maßstabsgetreuen Papp-Modellen auf die Baustelle gebracht und wir haben gemeinsam vor Ort diskutiert welches der beste Weg zum Ziel ist“, so Meyle.
Die in den Boden eingelassene Badewanne war ein Kundenwunsch. Nicht so der Standort: aufgrund der tragenden Mauern darunter konnte die anthrazitfarbene Wanne nur an dieser einen Stelle platziert werden. Mit Blick über die Dächer Berlins aber sicherlich nicht der schlechteste Ort.
Auf beiden Seiten hat der Kubus’ feststehende, fast rahmenlose Fensterflächen. Durch zwei rahmenlose Glastüren lässt sich der Schlafbereich akustisch vom darunterliegenden Wohnraum abtrennen.
Auf beiden Seiten hat der Kubus’ feststehende, fast rahmenlose Fensterflächen. Durch zwei rahmenlose Glastüren lässt sich der Schlafbereich akustisch vom darunterliegenden Wohnraum abtrennen.
Verlässt man das Schlafzimmer zur anderen Seite, führt die zweite Treppe hinab in den großzügigen Wohnbereich der Maisonettewohnung. Die Deckenhöhe beträgt an der höchsten Stelle stolze fünf Meter!
Von der Sitzgruppe aus ist auch die dimmbare Lichtdecke sichtbar, die den Schlafbereich in ein angenehm warmes Licht taucht – und damit die introvertierte hermetische Uniformität und Abgeschlossenheit des Betonkubus betont.
„Grundgedanke des Beleuchtungskonzeptes war, die besonderen architektonischen Elemente mit der Beleuchtung hervorzuheben“, so Meyle.
Um die Loft- und Dachcharakteristik zu unterstützen, verwendete sie für die Lichtinstallation in Essküche und Flur dimmbare Glühbirnen (Halogen-Retrofits). „Die meisten anderen Leuchten sind Einbau-Downlights, da sie sich gestalterisch zurückhalten sollten. Sie wurden dann allen gegebenen Anforderungen angepasst: breitstrahlend, engstrahlend oder als Richtstrahler.“
„Grundgedanke des Beleuchtungskonzeptes war, die besonderen architektonischen Elemente mit der Beleuchtung hervorzuheben“, so Meyle.
Um die Loft- und Dachcharakteristik zu unterstützen, verwendete sie für die Lichtinstallation in Essküche und Flur dimmbare Glühbirnen (Halogen-Retrofits). „Die meisten anderen Leuchten sind Einbau-Downlights, da sie sich gestalterisch zurückhalten sollten. Sie wurden dann allen gegebenen Anforderungen angepasst: breitstrahlend, engstrahlend oder als Richtstrahler.“
Der Wohnbereich hat einen loftigen, industriellen Charakter, strahlt jedoch dank der Eichendielen, alter Holzbalken und der Backsteinwand Gemütlichkeit aus.
Wie die Dachlinie vor dem Ausbau verlief, darüber gibt die rohe Backsteinwand hinter der Couch Auskunft. „Wir haben aus eben diesem Grund an dieser Stelle die Backsteinwand als sichtbares Element erhalten“, so Meyle.
Ein ebenfalls eher roughes Element ist die lange Tafel aus recyceltem Holz, die mit einer Sammlung alter Stühle in Pastellfarben genug Platz für große Tischrunden bietet.
Wie die Dachlinie vor dem Ausbau verlief, darüber gibt die rohe Backsteinwand hinter der Couch Auskunft. „Wir haben aus eben diesem Grund an dieser Stelle die Backsteinwand als sichtbares Element erhalten“, so Meyle.
Ein ebenfalls eher roughes Element ist die lange Tafel aus recyceltem Holz, die mit einer Sammlung alter Stühle in Pastellfarben genug Platz für große Tischrunden bietet.
Neben Wohn- und Kochbereich gibt es im unteren Stockwerk der Maisonettewohnung weitere Nutzräume, die sich in Form und Farbgebung leicht voneinander unterscheiden. Wie gestaffelte Boxen wurden sie unter die Dachschräge geschoben. Diese „Blue Boxes“ bilden Bad- und Wäscheraum mit Gäste-WC, einen Ankleideraum sowie das Gästezimmer. Abgetrennt werden die Räume durch Schiebetüren, deren Farbe der Nuance der jeweiligen Box entspricht.
Auch hier findet sich ein besonderes Detail des Beleuchtungskonzeptes: Eine kontinuierliche Lichtlinie auf der hinteren Kante der „Blue Boxes“ betont den Freiraum und die Dachschräge des Lofts.
Auch hier findet sich ein besonderes Detail des Beleuchtungskonzeptes: Eine kontinuierliche Lichtlinie auf der hinteren Kante der „Blue Boxes“ betont den Freiraum und die Dachschräge des Lofts.
Vorne rechts im Bild sieht man durch das Gästezimmer hindurch in das Ankleidezimmer. Durch die türkisfarbene Tür hinten im Bild betritt man das Gäste-WC.
Das Ankleidezimmer unter der Dachschräge ist ein reines Durchgangszimmer, das Gäste-WC mit Gästezimmer verbindet.
Weiße Wände, der helle, hochflorige Teppich und die ebenfalls weiße, vom Tischler passgenau angefertigte Schrankwand reflektieren das Tageslicht, das durch die großen Dachflächenfenster strahlt.
Weiße Wände, der helle, hochflorige Teppich und die ebenfalls weiße, vom Tischler passgenau angefertigte Schrankwand reflektieren das Tageslicht, das durch die großen Dachflächenfenster strahlt.
Die Grundrisse des Kreuzberger Lofts veranschaulichen noch einmal die Aufteilung: im unteren Bereich finden sich die öffentlicheren Räume sowie, in den blau eingezeichneten Boxen, Ankleide und Gästeräume …
… im oberen Teil des Betonkubus’ das Schlafzimmer und Bad des Bewohners.
Meyle schuf durch den Raum im Raum eine Wohnfläche von 250 Quadratmetern – und bewies, wie wohnlich ein Betonklotz sein kann!
MEHR
Houzzbesuch: It’s brutiful! Eine Architekten-WG in Beton
Starke Wände: Ein Überblick über Beton, Ziegel, Naturstein & Co.
In der Grauzone: Beton im Trend
In unserer Rubrik „Houzzbesuch“ stellen wir spannende Projekte der Houzz-Experten vor, aber auch originelle Wohnungen von Privatleuten. Ihr Projekt oder Ihr Zuhause passt perfekt? Dann schreiben Sie uns – und schicken Sie am besten ein paar Fotos mit!
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Während sich im unteren Teil eine kleine fensterlose Kammer befindet, die als Lagerraum genutzt wird, beherbergt das obere Geschoss des Betonkubus den Schlaf- und Badbereich der Wohnung. Gleich zwei offene Betontreppen – zu jeder Seite eine – führen hier hinauf.