Houzzbesuch
Houzzbesuch: Kleiner Bungalow mit großer Außenfläche
Raffiniert: Dieser 90-qm-Bungalow in Oberösterreich teilt einen alten Garten in zwei Hälften und hebt ihn dadurch hervor
Ein kleines Haus sollte sich in ein Grundstück einfügen und dabei dessen alten Baumbestand möglichst intakt lassen – das wünschten sich die Eigentümer, als sie Marie-Theres Süßner mit dem Bau beauftragten. Mit ihrem Entwurf ist die Architektin an die Grenzen gegangen – die des Grundstücks: Der flache Bau im oberösterreichischen Bezirk Wels spannt sich der Länge nach über die gesamte Grundstücksbreite. Die Bauordnung steht dem nicht entgegen, wenn die Gebäudehöhe unter drei Meter liegt. Mit floralen Mustern verbindet die Architektin Innen- und Außenflächen und holt den wundervollen Garten in den Wohnraum.
Wer auf den Eingang zugeht, fühlt sich fast wie im Wald. Die alten Bäume verwehren den Blick in die an der Längsseite liegenden Räume.
Die Eingangstür ist ein Entwurf der Architektin, inspiriert von der Natur. „Ich freue mich immer sehr, wenn die Bauherren mich auch mit der Gestaltung von Türen oder Schränken beauftragen“, sagt Süßner.
Die Garderobe hinter der Eingangstür ist durch eine Glaswand vom angrenzenden Gästezimmer getrennt. Beide Räume verschmelzen zu einer großzügigen Diele. Durch raumhohe Schiebewände und Vorhänge lassen sie sich voneinander trennen, wenn Gäste hier übernachten. „Der Vorraum wird tatsächlich weniger als Garderobe genutzt, mehr als Kleiderschrank für die Gäste“, verrät Süßner.
Der Wohnbereich liegt dem Gästezimmer gegenüber. Zwei halbhohe Schränke grenzen den Wohn- und Essbereich vom längs im Haus verlaufenden Flur ab. Das florale Muster, das auf die Glasfronten der Schränke gedruckt ist, holt den Garten ins Haus. Die Bauherren wollten eigentlich nur Weiß- und Cremetöne im Haus, wie Süßner erzählt. „Aber da habe ich entschieden Nein gesagt.“ Sie überzeugte die Bauherren mit einer floralen Grafik, die sie selbst aus Fotos der Magnolie im Garten anfertigte. „Mit diesen individuellen Glasfronten sind die Bauherren jetzt sehr glücklich“, sagt die Architektin.
In den Schränken ist Platz für Schuhe, eine Büroausstattung und viele andere Gegenstände. Im Wohn- und Essbereich ist sogar eine Hausbar untergebracht, ganz im Stil der Siebzigerjahre.
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Der Kachelofen mit Sichtfenster neben dem Sofa spendet zusätzlich zur Fußbodenheizung wohlige Wärme in dem offenen Haus.
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Auch die Küche ist ein Entwurf von Süßner. Schränke und Herd sind vom Sofa aus zu sehen, während die Spüle und der angrenzende Hauswirtschaftsraum sich dem Blick entziehen. Bei der Auswahl des Esstischs, der heute zwischen Sofa und Küchenbereich steht, hatten sich die Bauherren lange Zeit gelassen. Eine Vorgehensweise, die Süßner gut nachempfinden kann. Sie hält nicht viel davon, Räume vorschnell mit Möbeln zu füllen. „Bett und Schränke müssen sein. Aber gerade bei einer kleinen Wohnfläche wie hier sollte es nicht zu viel werden“, erklärt sie.
Wie gelingt ein minimalistischer Look, der nicht unpersönlich ist?
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Der Wohn- und Essbereich sowie ein Teil der Küchenzeile liegen in einer Holzkonstruktion, die dem dahinter errichteten gemauerten Gebäudeteil vorgelagert ist. Mit 2,80 Metern ist der offene Wohnbereich in der Holzkonstruktion höher als der gemauerte Hausteil, der nur 2,40 Meter misst. Auch in der Fassadengestaltung zeigt sich die Verwendung der unterschiedlichen Baumaterialien. „Wo Holz davor ist, ist auch Holz dahinter. Das finde ich einfach ehrlicher“, so Süßner. Das Mauerwerk ist dagegen verputzt.
Innen ist das Haus teils mit Gipskartonplatten verkleidet und weiß gestrichen. Doch der Gebäudevorsprung über der Terrasse vor dem Wohn- und Essbereich lässt die Holzdeckenkonstruktion erkennen. Beim Fußboden im Innenraum haben sich die Bauherren für Eichenparkett entschieden. Die Terrassendielen nehmen die Holzart auf. Die bodentiefen Schiebetüren verstärken den Effekt der Verschmelzung von Innen- und Außenflächen.
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Die halbhohen Schränke ziehen sich auf der Seite des Flurs entlang, der ins Schlafzimmer führt.
Für die gegenüberliegende Seite hat Süßner ein luftiges Bücherregal entworfen, das über die Wand hinausragt. Dadurch wirkt das Regal zum Gästezimmer hin wie ein Raumtrenner, hinter dem die Schiebetüren verschwinden.
Am Ende des Flurs liegt das Schlafzimmer. Eine Balkontür führt hier zum Garten, eine Schiebetür ins Bad.
Das Bad ist vom Schlafzimmer und vom Gästezimmer aus zugänglich. Wie eine Zimmerflucht reihen sich Schlafzimmer, Bad und Gästezimmer hintereinander. Durch große Fenster fällt der Blick auf das alte Wäldchen. Die Hängekoniferen wirken wie ein natürlicher Vorhang und schützen die Innenräume vor neugierigen Blicken. Mit Schiebetüren lässt sich diese Flucht unterbrechen, sodass bei Bedarf mehr Privatsphäre in den einzelnen Räumen entsteht. Die Badfliesen haben ein grafisches Muster. „Diese Fliesen haben die Bauherrn ausgesucht und mir gezeigt. Ich finde sie sehr passend“, so die Architektin.
„Der Raum strahlt eine kontemplative Atmosphäre aus“, findet die Architektin. Er dient als Multifunktionsraum und kann sich in ein Sommergästezimmer verwandeln, liegt er doch direkt vor dem Pool. Der Boden ist ein versiegelter Estrich. Die Decke ist die Holzkonstruktion des Dachs. „Wir mussten die Aufbauhöhe beachten, da der Raum mit seinen 2,40 Metern nicht besonders hoch ist“, so Süßner. Die Besonderheit sind die beiden Wände aus Glasbausteinen. Auf der einen Seite fällt grünliches Licht vom Wäldchen durch die Glasquader, auf der anderen eine Mischung aus dem Blau des Pools und dem Grün des Gartens.
Das Haus teilt das Grundstück, doch durch die zahlreichen Bezüge zum vorderen wie zum hinteren Garten ist es ein sehr durchlässiger Riegel. Der Garten kommt durch die Fenster ebenso herein wie durch die floralen Muster der Schränke. „Es ist ein sehr feminines Haus“, freut sich die Architektin über den Bau.
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Hier wohnen: zwei Personen
Auf: 90 Quadratmetern Wohnfläche. Dazu kommen die Terrassenflächen (65 Quadratmeter), ein Schuppen (23 Quadratmeter) und eine Garage (ebenfalls 23 Quadratmeter).
In: Oberösterreich, Bezirk Wels
Expertin: Marie-Theres Süßner, süssner architektur
Fotos: © Paul Ott
„Das Grundstück ist durch das Haus in zwei Hälften geteilt. Am Eingang steht ein kleines Wäldchen mit Hängekoniferen und altem Baumbestand. Vor der Terrasse breitet sich ein neu gestalteter Garten aus, in dem aber auch einige alte Bäume stehen“, beschreibt Süßner das Gelände. Die Zweiteilung hat sie konsequent umgesetzt: Der Mittelteil des Hauses wird von der Garage auf der einen und einem Schuppen auf der anderen Schmalseite flankiert. Beide reichen jeweils bis an die Grundstücksgrenze.