Wie praktisch sind eigentlich … bodentiefe Fenster?
Mehr Licht, mehr Ausblick – überwiegen die Vorteile großer Fensterflächen immer?
Viele Menschen träumen vom schier unbegrenzten Blick aus bodentiefen Fenstern. Aber wie praktisch sind sie wirklich? Haben Schrank und Sofa dann noch ausreichend Platz? Und wie viel Einblick wird durch den Ausblick möglich? Fragen über Fragen. Die Aufstellung der Vor- und Nachteile verschafft einen kleinen Überblick.
Was für bodentiefe Fenster spricht
- Mehr Tageslicht kommt herein. Je größer die Fenster, umso mehr Tageslicht kann in den Raum dringen. Bei Fenstern bis zum Boden wird für den Lichteinfall auch der Bereich der Brüstung mit genutzt. Es wird dadurch merklich heller.
- Mehr solare Wärmegewinne. Vor allem im Winter kann der Sonneneintrag über größere Fensterflächen durchaus angenehm sein, unterstützt er doch die Erwärmung der Räume. Allerdings ist das eben nur im Winter gut, während sich dieser Vorteil im Sommer in einen Nachteil verwandelt.
- Ausblick auch vom Sofa. Stehend, sitzend oder liegend – mit bodentiefen Fenstern öffnet sich in jeder Position der Blick nach draußen. Damit haben alle Familienmitglieder, gleich ob klein oder groß, die gleichen Möglichkeiten, auch etwas von der Außenwelt zu sehen.
- Fenster werden zu Türen. Ein bodentiefes Fenster kann gleich zwei Funktionen übernehmen: Tür und Fenster. In oberen Stockwerken muss dann aber eine Absturzsicherung davor sein.
Was gegen bodentiefe Fenster spricht
- Zu viel Einblick. Wenn nicht verspiegelte oder semitransparente Gläser verwendet wurden, bedeutet Ausblick auch Einblick. Ist es draußen heller als drinnen, ist die Einsicht geringer, tagsüber etwa. Doch wenn abends das Licht im Innenraum angeschaltet wird, wird die Wohnung zur Bühne mit Vorbeigehenden als potenziell Zuschauenden.
- Höhere Energieverluste. Trotz verbesserter Dämmung sind Fenster immer noch die Stelle in der Fassade, über die die meiste Wärme ausgetauscht wird. Im Winter geht darüber Wärme verloren, im Sommer dringt sie über sonnenbestrahlte Fenster ins Haus. Je größer die Fenster, umso größer ist auch der Wärmeaustausch. Das betrifft aber nicht nur bodentiefe Fenster, sondern generell große Fensterflächen.
- Mehr Verschattung notwendig. Reicht das Fenster bis zum Boden, muss es auch bis dorthin verschattet werden. Der außen liegende Sonnenschutz wird damit größer und teurer.
- Weniger Stellfläche. Wenn das Argument für bodentiefe Fenster der größere Tageslichteintrag ist, bedeutet dies auch: Es darf nichts vor dem Fenster stehen. Damit fällt Platz weg, wo das Sofa oder der Esstisch stehen könnten.
- Notwendige Absturzsicherung. Anders als bei Fenstern mit Brüstung brauchen bodentiefe Fenster, sofern sie sich öffnen lassen, in oberen Etagen eine Absturzsicherung. Dadurch wird der Vorteil der grenzenlosen Aussicht selbst mit einer Glasbrüstung gemindert. Zudem entstehen für die Absturzsicherung zusätzliche Kosten.
- Größerer Putzaufwand. Fenster bringen nur dann etwas, wenn sie auch Durchblick gewähren. Bodentiefe Fenster haben eine weit größere Fläche, die geputzt sein will. Spritzwasser etwa im bodennahen Bereich trübt schnell die klare Sicht.
Tipps für die Entscheidung für oder gegen bodentiefe Fenster
- Nicht überall müssen es bodentiefe Fenster sein. Überlegen Sie gut, wo bodentiefe Fenster für Sie sinnvoll sind. Zur Straße raus schützen kleinere Fenster Ihre Privatsphäre. Große Fenster sind generell schön, wenn sie einen schönen Ausblick gewähren oder dadurch spürbar mehr Helligkeit in einen ansonsten dunklen Raum dringt.
- Nicht jedes bodentiefe Fenster muss sich öffnen lassen. Mit Festverglasung können Sie Geld sparen. Je größer die Fensterfläche, umso teurer wird sie – auch und gerade wenn sie sich öffnen lässt. Zudem sparen Sie mit einer Festverglasung in den oberen Stockwerken die Absturzsicherung. Damit der Ausblick ungetrübt bleibt, engagieren Sie einfach ein- oder zweimal im Jahr eine Fensterputzfirma. Und zum Querlüften reichen kleinere Fenster oder Lüftungsflügel aus.
- Denken Sie an den Sonnenschutz. Viel Glasfläche bedeutet je nach Ausrichtung auch viel solarer Wärmegewinn. Der ist mit modernen, hochwertigen Dreifachverglasungen zwar geringer, trägt im Sommer aber zur unerwünschten Erwärmung der Innenräume bei. Planen Sie außen liegenden Sonnenschutz also gleich mit den bodentiefen Fenstern oder verwenden Sie spezielles Sonnenschutzglas. Das ist aber noch mal um einiges teurer.








