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Foto-Tuning mit Nicola Lazi - Aussagekräftige Fotos von kleinen Räumen

Lazi + Lazi Fotografie und Bildbearbeitung
19. März 2018
zuletzt bearbeitet:19. März 2018

Ob Privatpersonen oder Experten - beinahe jeder kommt irgendwann in die Situation, dass er Räume fotografieren möchte oder auch muss. Sei es um den Eltern einen Eindruck der ersten Studentenbude zu vermitteln oder um einem potentiellen Neukunden ein Bild der bisherigen Interior-Designs zeigen zu können.

In den nächsten Wochen und Monaten möchte ich Ihnen in mehreren kurzen Artikeln hier in der Houzz-Community ein paar Tipps und Ratschläge geben, wie Sie aus Fotos das Beste rausholen können. Oftmals sind es nur ein paar kleine Handgriffe und Kniffe, die dafür sorgen, dass ein Foto viel professioneller wirkt und die abgebildeten Personen, Objekte oder Räume ins absolut beste Licht rückt.

Den Einstieg in diese Foto-Tuning-Serie macht der folgende Beitrag zum Thema „Kleine Räume“.

Große Räume oder Außenanlagen haben einen entscheidenden Vorteil gegenüber kleinen oder beengten Räumen: Man hat viel Platz um sich und die Kamera zu positionieren und das zu fotografierende Objekt aus unterschiedlichen Perspektiven festzuhalten.


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Wenn man hingegen Fotos in kleinen Räumen machen möchte, ist man mit verschiedenen Herausforderungen konfrontiert:

  • Beengte Verhältnisse
  • Eventuell viel Inhalt in wenig Raum
  • Wenig Kamera-Abstand möglich
  • Eventuell spiegelnde Flächen (z.B. im Badezimmer)
  • Schmutzige Fenster und Flächen

Zusätzlich stellt sich die Frage, wie der Raum auf den Fotos wirken soll:

  • Authentisch oder inszeniert?
  • Einladend oder freundlich?
  • Größer als in Wirklichkeit oder proportional richtig?
  • Unverzerrt

Damit man diese Herausforderungen bestmöglich meistert, ist eine gewisse (technische) Ausstattung empfehlenswert:

  • Kamera mit extremem Weitwinkelobjektiv für die Übersichtsaufnahmen des ganzen Raumes
  • Dagegen für Detailaufnahmen oder Ausschnitte des Raumes Objektive mit weniger Bildwinkel.
  • Kleines und flexibel einzustellendes Stativ das mindestens auf Augenhöhe ausziehbar sein sollte.
  • Fernauslöser für die Kamera (Funk, IR, Selbstauslöser)

Wenn keine entsprechende Kameraausrüstung zur Verfügung steht, kann man sich auch mit einfacheren Mitteln aushelfen. Hierbei kommt uns die technische Entwicklung zugute, da für Aufnahmen, die nicht den allerhöchsten Qualitätsansprüchen gerecht werden müssen, ein einfaches Smartphone mit einer Panorama-App genutzt werden kann.

Wenn eine Action-Cam zur Verfügung steht, kann diese selbstverständlich auch eingesetzt werden. Hierbei ist allerdings zu beachten, dass die Objektive dieser Kameras starke Verzeichnungen und Verzerrungen produzieren, die sich möglicherweise nicht vollständig über die Bildbearbeitung eliminieren lassen.

Diese Kameras sind für den Outdoor-Einsatz konzipiert und da ist es nicht schlimm, wenn gerade Linien gebogen wiedergegeben werden. Hingegen ist es bei Architektur- und Innenarchitekturaufnahmen äußerst wichtig, dass senkrechte und gerade Linien auch gerade und senkrecht abgebildet werden.


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Damit wir von Anfang an die bestmöglichen Ergebnisse erzielen, ist ein bestimmtes und strukturiertes Vorgehen empfehlenswert:

  • Was sehen Sie? Was befindet sich alles im Raum?
  • Alles Unnötige aus dem Raum bringen und generell aufräumen
  • Putzen (Fenster, Spiegel, Armaturen etc.)
  • Auf das Wesentliche konzentrieren
  • Vorhandene Dekoration reduzieren und diese optimieren (z.B: unschöne Faltenwürfe bei Decken, Kabelwirrwarr von elektrischen Geräten, geknautschte Kissen, faltige Handtücher, verwelkte Pflanzen, chaotische Regalinhalte aufräumen oder entfernen)
  • Wir „beruhigen“ den Raum optisch und schaffen damit „Luft“.

Um das Problem des geringen Platzes zu minimieren muss die Kamera so weit wie möglich an die Wände gestellt werden oder so weit wie möglich aus dem Raum bewegt werden. Hierdurch erhält man die größtmöglichen Abstände zu den zu fotografierenden Objekten. Wenn die letzten und entscheidenden Zentimeter fehlen, kann es dazu noch helfen, wenn man die Tür zum Raum aushängt. Bei diesem Vorgehen sollte man dann mit der Kamera gerade so weit zurückgehen, dass der Türrahmen rechts und links noch nicht im Bild zu sehen ist.


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Damit die Bilder am Ende nicht „seltsam“ wirken, muss die Kamera unbedingt gerade und senkrecht aufgestellt werden. Hierbei ist es empfehlenswert, dass ein Stativ mit eingebauter Wasserwaage verwendet wird. Anschließend muss man sich noch entscheiden, ob die Fotos im Hoch- oder im Querformat aufgenommen werden sollen.

Besonders wichtig ist, dass perspektivische und tonnenförmige Verzeichnung der senkrechten Linien vermieden werden.

Damit der Raum auf den Fotos möglichst real wiedergegeben wird, sollte man nach Möglichkeit die natürliche Beleuchtung des Raums verwenden. Dies können einerseits die vorhandenen Fenster, aber auch Lampen oder Kerzen sein.

Wenn ein Fenster vorhanden ist, muss die aktuelle Witterung und die Tageszeit beachtet werden, da sich beides auf die Lichtverhältnisse im Raum auswirkt.


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Um am Ende die bestmöglichen Fotos zu erhalten, ist es ratsam aus der selben Kameraposition bei unterschiedlichen Tageszeiten und Witterungsverhältnissen zu fotografieren. Für Innenaufnahmen ist ein bewölkter Himmel beispielsweise nahezu ideal.

Auf Zusatzbeleuchtung wie bspw. den eingebauten oder einen externen Kamerablitz sollte unbedingt verzichtet werden.

Weiterhin sollte immer die niedrigste ISO-Einstellung an der Kamera gewählt werden.

Damit sich die Betrachter später immer auf den Teil des Bildes fokussieren, der am wichtigsten ist, sollte die Schärfe auf genau diesen bildwichtigen Teil der Aufnahme gelegt werden.

Dabei ist zu berücksichtigen, dass bei offener Blende der Vorder- und der Hintergrund leicht unscharf werden können. (Abhilfe: Blende um 2 Stufen schließen und die Belichtungszeit um 2 Stufen verlängern)


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Um zu verhindern, dass das Bild verwackelt ist oder durch leichte Bewegungen unscharf wird, sollte, wenn möglich, ein Fernauslöser für die Kamera verwendet werden. Dies kann ein Drahtauslöser, ein Funk- oder IR-Sender oder auch der integrierte Selbstauslöser sein.

Hierdurch wird verhindert, dass man die Kamera beim Druck auf den Auslöser leicht bewegt.

Um jeden Raum „von seiner Schokoladenseite“ zu fotografieren, sollten immer mehrere Fotos aus verschiedenen Perspektiven gemacht werden. Hierbei sollte man immer auf optische Raum-Achsen achten und diese durch entsprechende Wahl der Perspektive betonen oder abmildern.

Machen Sie zur Vervollständigung der Aufnahmeserie auch Details von einzelnen Element-Gruppierungen im Raum. Diese Aufnahmen helfen Ihnen, den Raumeindruck zu vermitteln. Dies ist vor allem dann wichtig, wenn Sie nicht über extreme Weitwinkelobjektive für Ihre Kamera verfügen um den Raum als Ganzes abzubilden.

Sollten Sie spiegelnde Flächen im Raum haben, dann achten Sie darauf, dass Sie und die Kamera darin nicht zu sehen sind. Auch sich spiegelnde Gegenstände können das Bild unruhig werden lassen.

Entfernen Sie diese, wenn möglich.

Lässt sich das nicht vermeiden, dann hilft die Bildretusche weiter. Dies ist im nachfolgenden Bild gut zu sehen: Im linken Bild sieht man das Stativ und die Kamera im Spiegel über dem Waschtisch. Da sich dies aufgrund der beengten Platzverhältnisse nicht verhindern lies, wurden die Spiegelungen in der Nachbearbeitung digital entfernt.





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Zusätzlich gibt es noch verschiedene allgemeine Hinweise für die Arbeit mit extremen Weitwinkelobjektiven:

  • Objekte, die nah an der Kamera sind, werden entsprechend groß und optisch „unnatürlich“ abgebildet.
  • Objekte, die weiter entfernt sind, werden deutlich kleiner abgebildet.
  • Manchmal reicht das Verschieben eines Objektes weg von der Kamera (Stuhl, Vase, Tisch etc.) um einige Zentimeter um einen weniger extremen Bildeindruck zu erhalten.
  • Kleine Veränderungen bewirken hier sehr viel. Tasten Sie sich mit kleinen Schritten voran.

Versuchen Sie am Besten die einzelnen Schritte und Möglichkeiten nach und nach umzusetzen - sie werden stetig eine Verbesserung der Fotos wahrnehmen.

Wenn Sie Fragen zu einzelnen Punkten haben oder wenn Sie Foto-Beispiele haben, mit denen Sie unzufrieden sind, posten Sie all dies gern in den Kommentaren.

Ich freue mich auf Ihr Feedback und wünsche Ihnen viel Spaß beim Fotografieren.

Ihr Nicola Lazi

Kommentare (8)

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