Altbausanierung, Teil 5: Dämmen, dichten und lüften
Mit Fingerspitzengefühl: Wer ein altes Haus energieeffizienter machen will, sollte seine Bauweise würdigen und behutsam Änderungen vornehmen
Energiesparen ist das Credo unserer Tage. Passivhäuser sind mittlerweile Standard, aber Altbauten, zu anderen Zeiten und nach anderen Prämissen errichtet, können moderne Normen selten bis gar nicht einhalten. Wenn es darum geht, alte Bausubstanz nachträglich energieeffizienter zu machen, geht das nur mit einem gesunden Gespür für die Verhältnisse – und manchmal ist es sogar am sinnvollsten, kaum etwas zu verändern. Drei Expertinnen für Altbausanierungen, Tina Kammer von Interior Park, Silke Schwager von MSHS Architekten und Innenarchitektin Eva Lorey wissen aus Erfahrungen, worauf man beim Dämmen achten muss.
„Bei denkmalgeschützten Gebäuden lassen sich Passivhausstandards in der Regel nicht verwirklichen“, sagt Innenarchitektin Eva Lorey. „Bei Altbaufassaden stößt man mit der Dämmung schnell an seine Grenzen. Innendämmung ist auch nicht immer möglich, zum Beispiel, wenn man damit aufwändige Stuckarbeiten verdecken würde. Und wenn Sie einen Dachstuhl ausbauen wollen, stellt sich nicht selten heraus, dass die alten Balken so kleine Querschnitte haben, dass sie statisch nicht geeignet sind, um die notwendige Dämmung zu tragen. Ein neuer Dachstuhl würde häufig die Kosten sprengen, was ein ganzes Umnutzungsvorhaben ökonomisch unsinnig macht.“
Bedenken muss man auch, das alte Häuser oft viele Jahre lang auf ihre Weise funktioniert haben. Beginnt man nun, sie zu isolieren, kann das fürs Gebäudeklima gravierende Folgen haben. „Altbauten wurden ja oft so konzipiert, dass sie atmen sollen. Macht man sie dicht, sammelt sich unter Umständen Feuchtigkeit im Inneren an“, sagt Tina Kammer.
Bedenken muss man auch, das alte Häuser oft viele Jahre lang auf ihre Weise funktioniert haben. Beginnt man nun, sie zu isolieren, kann das fürs Gebäudeklima gravierende Folgen haben. „Altbauten wurden ja oft so konzipiert, dass sie atmen sollen. Macht man sie dicht, sammelt sich unter Umständen Feuchtigkeit im Inneren an“, sagt Tina Kammer.
Achtung, Feuchtefalle
Auch Sielke Schwager von MSHS Architekten ist nicht traurig darüber, dass man Altbauten oft nicht an neue Standards anpassen kann: „Wenn man anfängt, auch nur eine Stelle der Fassade eines Gebäudes dichter zu machen, das seit hundert und mehr Jahren gut funktioniert hat, muss man die Konsequenzen sehr genau im Blick haben.“
Wenn sich nämlich der Taupunkt innerhalb einer Wand verschiebt, kann es schnell zu Feuchtigkeitsschäden kommen. Der Taupunkt bezeichnet jene Stelle in einer Wand, an der das Material so kalt ist, dass Wasserdampf, der durch das Bauteil wandert, kondensiert. „Eingriffe verändern das Klima innerhalb des Hauses. Daher muss man sich vorher gemeinsam mit einem Bauphysiker genau überlegen, welche Maßnahmen sinnvoll sind.“
Sollen also neue Fenster eingebaut oder eine Innendämmung verlegt werden? Oder lässt man die Substanz lieber in Ruhe?
Eins ist klar: Mängel müssen in jedem Fall beseitigt werden. „Oft sind die Sockel Schwachpunkte“, sagt Schwager. „Hier hat sich eine Bauteiltemperierung bewährt. Dazu werden Heizrohre auf die Wand gesetzt oder eingestemmt, durch die der Rücklauf der Heizung führt.“
Wer außerdem eine energetische Sanierung anstrebt, sollte wissen, dass solche Vorhaben auch bei Denkmälern gefördert werden. „Die KfW-Bank hat hier das sogenannte KfW-Effizienzhaus Denkmal in ihrem Förderprogramm, aber auch Einzelmaßnahmen wie den Austausch von Fenstern“, sagt Schwager.
Auch Sielke Schwager von MSHS Architekten ist nicht traurig darüber, dass man Altbauten oft nicht an neue Standards anpassen kann: „Wenn man anfängt, auch nur eine Stelle der Fassade eines Gebäudes dichter zu machen, das seit hundert und mehr Jahren gut funktioniert hat, muss man die Konsequenzen sehr genau im Blick haben.“
Wenn sich nämlich der Taupunkt innerhalb einer Wand verschiebt, kann es schnell zu Feuchtigkeitsschäden kommen. Der Taupunkt bezeichnet jene Stelle in einer Wand, an der das Material so kalt ist, dass Wasserdampf, der durch das Bauteil wandert, kondensiert. „Eingriffe verändern das Klima innerhalb des Hauses. Daher muss man sich vorher gemeinsam mit einem Bauphysiker genau überlegen, welche Maßnahmen sinnvoll sind.“
Sollen also neue Fenster eingebaut oder eine Innendämmung verlegt werden? Oder lässt man die Substanz lieber in Ruhe?
Eins ist klar: Mängel müssen in jedem Fall beseitigt werden. „Oft sind die Sockel Schwachpunkte“, sagt Schwager. „Hier hat sich eine Bauteiltemperierung bewährt. Dazu werden Heizrohre auf die Wand gesetzt oder eingestemmt, durch die der Rücklauf der Heizung führt.“
Wer außerdem eine energetische Sanierung anstrebt, sollte wissen, dass solche Vorhaben auch bei Denkmälern gefördert werden. „Die KfW-Bank hat hier das sogenannte KfW-Effizienzhaus Denkmal in ihrem Förderprogramm, aber auch Einzelmaßnahmen wie den Austausch von Fenstern“, sagt Schwager.
Qualität ist gesund
Wenn die Entscheidung gefallen ist und Sie Ihren Altbau dämmen möchten, dann sollten Sie dazu hochwertige Materialien verwenden. „Ich bin eine Kritikerin der derzeitigen Dämmpraxis“, sagt Tina Kammer. „Wärmeverbundplatten aus EPS (expandiertem Polystyrol), wie sie am häufigsten eingesetzt werden, sind Sondermüll.“
Zeitgleich mit der Abdichtung von Gebäuden und der Verwendung bestimmter Materialien, die Dämpfe absondern, tritt nicht selten das Sick-Building-Syndrom auf: Menschen, die sich lange in einem bestimmten Gebäude aufhalten, bekommen diffuse Krankheitssymptome wie Kopfschmerzen und eine Überempfindlichkeit gegenüber Chemikalien. Daher rät Kammer dazu, gerade hier etwas tiefer in die Tasche zu greifen: „Je billiger, desto belasteter.“
Wenn die Entscheidung gefallen ist und Sie Ihren Altbau dämmen möchten, dann sollten Sie dazu hochwertige Materialien verwenden. „Ich bin eine Kritikerin der derzeitigen Dämmpraxis“, sagt Tina Kammer. „Wärmeverbundplatten aus EPS (expandiertem Polystyrol), wie sie am häufigsten eingesetzt werden, sind Sondermüll.“
Zeitgleich mit der Abdichtung von Gebäuden und der Verwendung bestimmter Materialien, die Dämpfe absondern, tritt nicht selten das Sick-Building-Syndrom auf: Menschen, die sich lange in einem bestimmten Gebäude aufhalten, bekommen diffuse Krankheitssymptome wie Kopfschmerzen und eine Überempfindlichkeit gegenüber Chemikalien. Daher rät Kammer dazu, gerade hier etwas tiefer in die Tasche zu greifen: „Je billiger, desto belasteter.“
Mit Gefühl
Also: Beim Dämmen gilt es, zwischen den Vorteilen zukünftiger Energieersparnis und möglichen Schäden oder raumklimatischen Beeinträchtigungen durch eine zu starke Abdichtung abzuwägen. Nicht alles muss, was kann. Wer mit Behutsamkeit ans Werk geht, sichert die eigene Gesundheit und die des Hauses für die nächsten fünfzig bis hundert Jahre.
SERIE ZUR ALTBAUSANIERUNG
Teil 1: Über schützenswerte Epochen
Teil 2: Vorbereitung und Entwurf
Teil 3: Der gute Draht zum Denkmalamt
Teil 4: Historische Farbkonzepte wiederentdecken
Mehr Tipps zum Umbauen & Renovieren sowie spannende Vorher/Nachher-Dokumentationen im Magazin von Houzz >>>
Also: Beim Dämmen gilt es, zwischen den Vorteilen zukünftiger Energieersparnis und möglichen Schäden oder raumklimatischen Beeinträchtigungen durch eine zu starke Abdichtung abzuwägen. Nicht alles muss, was kann. Wer mit Behutsamkeit ans Werk geht, sichert die eigene Gesundheit und die des Hauses für die nächsten fünfzig bis hundert Jahre.
SERIE ZUR ALTBAUSANIERUNG
Teil 1: Über schützenswerte Epochen
Teil 2: Vorbereitung und Entwurf
Teil 3: Der gute Draht zum Denkmalamt
Teil 4: Historische Farbkonzepte wiederentdecken
Mehr Tipps zum Umbauen & Renovieren sowie spannende Vorher/Nachher-Dokumentationen im Magazin von Houzz >>>











Passivhausstandards lassen sich im Denkmalschutz selten bis nie erreichen. Eingriffe in die Substanz wären oft so massiv, dass sie zerstören würden, was eigentlich geschützt ist. Altbauten dämmt man häufig von innen, „obwohl das Dämmen von außen natürlich effizienter ist“, sagt Tina Kammer von Interior Park.
Werden mehr als zwanzig Prozent der Decken und Fußböden saniert, greift die Energieeinsparverordnung (EnEV). Sie legt fest, wie wärmedurchlässig die Bauteile am Ende maximal sein dürfen, orientiert sich dabei aber stark an der vorgefundenen Substanz. So gibt es für Denkmäler und besonders erhaltenswerte Gebäude häufig Ausnahmen.